Da haben sich die Sternendeuter aber verdammt weit aus dem Fenster gelehnt. Am 11. und 12. Oktober 2014 treffe ich die Liebe auf den ersten Blick. So stand es im Jahreshoroskop der Frauenzeitschrift meines Vertrauens.

Jahreshoroskop mit Datum
Das Jahreshoroskop legt sich fest: 11. und 12. Oktober

Was soll ich sagen … Wir haben 23.30 Uhr am 12.10.2014 und die Liebe auf den ersten Blick habe ich in den vergangenen 48 Stunden nicht gesehen. Und nein, da kann auch auf den letzten Drücker nichts mehr passieren; denn ich liege schon im Bett. Allein. Die Haustür verriegelt. Dabei habe ich alles gegeben und mich dem Schicksal und den Sternen nicht hinderlich in den Weg gestellt.

Es ist ja nicht so, dass ich Horoskope täglich konsumiere und mich von ihnen leiten lasse. Aber das Lesen von Jahresvorhersagen hat bei einer Freundin und mir mittlerweile Tradition. Zwischen Weihnachten und Neujahr treffen wir uns an einem Abend, verspeisen die Reste vom Weihnachtsfestessen und wühlen uns durch Sternenlektüre, auf der Suche nach einem Hinweis, was das kommende Jahr denn so zu leisten im Stande ist.

Entsprechend hatte ich mir den 11. und 12. Oktober rot – wie die Liebe – im Kalender markiert. Ein Wochenende. Wie passend! Im Laufe der Monate geriet das Datum in Vergessenheit, aber am Samstagmorgen wurde ich wieder daran erinnert. Also kein Frühstück in der eigenen Küche. Raus! Den Kaffee im Café trinken, sich dabei durch sämtliche Zeitungswochenendausgaben der Republik wühlen und dabei doch immer nur über den Rand schielen. Erster Blick und so.

Anschließend im Hipster-Viertel der Stadt shoppen und noch mehr Kaffeetrinken – immerhin hatte ich so mal wieder Herzklopfen. Abends treffe ich mich mit Freunden, wir kochen und klönen. Dabei summe ich „Tausend mal berührt, tausend mal ist nichts passiert“.

Aber es passierte nichts. Weder am Herd der Freunde, noch später in den Bars und Clubs. Ob ich dem U-Bahnfahrer mal tief in die Augen hätte schauen sollen, als ich nachts um 4 Uhr nach Hause fuhr?

Nächste Chance: Laufrunde im Park. Mal nicht auf den eigenen Rhythmus hören, sondern die Mitläufer fixieren. Ganz neues Laufgefühl. Nur bei U25 und Ü50 wird der Blick gesenkt, die attraktiven Väter auf den Spielplätzen werden ignoriert. Vielleicht war die Runde zu kurz, zumindest blieb sie ergebnislos, rein blicktechnisch betrachtet. Beim Bäcker standen nur Mädels hinter dem Tresen, die männliche Kundschaft bestellte sechs Brötchen oder mehr.

Auf dem Weg zum Kaffeeklatsch mit Freundinnen ließ ich extra die Zeitschriften zu Hause, dabei hasse ich U-Bahnfahren ohne zu lesen. Und anstatt den Tatort allein auf meinem Sofa zu gucken, kaufte ich mir noch spontan eine Konzertkarte. Nichts unversucht lassen. Aber da sollte ich künftig besser wählen – Konzerte mit Bestuhlung und Musik, die eher zum Anschmiegen verleitet und daher fast ausschließlich von Paaren gehört wird, sind nicht das optimale Jagdrevier. Da ist noch Luft nach oben. Oder aber: Horoskope sind einfach Humbug.

Oder vielleicht hat die kluge Freundin doch Recht: „Hast du heute schon in den Spiegel geschaut? Da siehst du Liebe auf den ersten Blick!“