„Haben Sie schon mal übers Eizellen-Einfrieren nachgedacht?“ Bitte was??? Die Frage meiner Frauenärztin kam ziemlich unvermittelt. Es war 8.20 Uhr an einem trüben Herbstmorgen und ich saß bei ihr zur Routinekontrolle. Na gut, vielleicht ein bisschen mehr. Denn seit zwei Monaten war meine Regel ausgeblieben. Eine Schwangerschaft konnte ich ausschließen, es sei denn, die Fähigkeiten von Jungfrau Maria wären irgendwie in mich gefahren.

Ich begründete den verwirrten Zyklus mit Stress. „Kann sein“, sagte meine Ärztin. „Aber in ihrem Alter kann das auch andere Ursachen haben.“ Wie bitte? Was? Urplötzlich war ich hellwach. Ich! Mitte 30! In der Blüte meines Lebens! Körperlich fit wie eine 20-Jährige, na gut, 25-Jährige.

Frau Doktor lächelte milde. Guckte mich fast schon mitleidig an. Wir haben ein gutes Verhältnis. Sie weiß, dass ich robust bin. Sie darf so was sagen.
„Sie sind Mitte 30, da können auch schon die Wechseljahre beginnen.“ Urplötzlich war ich mittendrin. Mir wurde heiß und kalt. Offensichtlich bemerkte sie meinen fragenden bis verstörten Blick. „Aber Sie wollten doch nie Kinder.“

Die eigene Endlichkeit vor Augen
Na ja, also ja. Stimmt. Der Kinderwunsch war bei mir nie sonderlich ausgeprägt, vielmehr gar nicht vorhanden. „Aber wenn Sie mir jetzt so meine eigene Endlichkeit vor Augen führen …“ Ich wurde kurz nachdenklich – und genau an dem Punkt kam der Vorschlag, einige der noch verbliebenen Eizellen einzufrieren. Nur für den Fall, dass sich in einigen Jahren ein Partner findet, mit dem ich doch Kinder haben möchte.

Nur mal so hypothetisch: Ich lasse mir Eizellen entnehmen, schockfroste sie über Jahre hinweg für den Gegenwert eines Kleinwagens und lasse sie mir irgendwann zwischen 40 und 50 wieder einpflanzen. Und wenn Mr Right nicht kommt? Spüle ich den ganzen Glibber hochfrustiert, traumatisiert und um Tausende Euro erleichtert ins Klo?

Ich bin dagegen
Mmmh. Ich grübelte, während Frau Doktor sich per Ultraschall auf Ursachenforschung machte. Und jubelte: „Gucken Sie mal. Da sind noch genügend Eier, stattliche Größe, sieht alles prima aus auf den ersten Blick. Wären Sie in den Wechseljahren, wären da nur noch wenige und nur kleine.“ Ah, ja, danke für die Info.

„Aber Sie können ja trotzdem mal drüber nachdenken.“ Machte ich. Und entschied mich dagegen. Ich will weder der Natur ins Handwerk pfuschen, noch dem Lauf der Dinge. Was passiert, passiert. Mein Leben ist ein vollständiges auch ohne Kind. Und diese Einstellung würde sich auch nicht ändern, wenn mein Arbeitgeber mir das Einfrieren bezahlen würde.