Ach herrje, das war ja nicht zum Aushalten! Zugegeben, ich bin kein Lena-Odenthal-Fan. Die „Tatort“-Fälle aus Ludwigshafen mit Ulrike Folkerts und Andreas Hoppe langweilen mich zumeist. Dieser Fall hat mich hingegen aufgeregt. Nicht auf Grund des spannenden Plots – der war eher einschläfernd -, aber darum ging es ja in „Blackout“ gar nicht. Der 60. Fall der Lena Odenthal war einzig und allein auf sie zugeschnitten. Auch das ist in einer Jubiläumssendung zu tolerieren. Aber warum muss eine Ermittlerin, die 25 Jahre als Single inszeniert wird, plötzlich zu tiefst betrübt über ihren Beziehungsstatus sein?

Am Ende knabbert die Katze
Jahrelang war Lena Odenthal eine alleinstehende, eigenbrötlerische und etwas mürrische Ermittlerin. So war die Figur konzipiert, das funktionierte, aber auf ihre alten Tage hadert sie plötzlich mit ihrem Dasein. Einem ihr vollkommen fremden Barmann gesteht sie, fast unter Tränen: „Weißt du, was meine größte Angst ist? Allein zu Hause zu sterben, niemand findet mich, weil mich niemand vermisst und meine Katze knabbert mich an.“ Ich halt’s nicht aus! Mag sein, dass es tausende Singles sind, die sich einsam fühlen und leiden. Und der „Tatort“ darf das von mir aus auch gesellschaftskritisch thematisieren am Sonntagabend.

Aber was mir diese Folge vor Augen führen soll, ist ja wohl: Jede Frau, selbst die, die bis Ende 40 total zufrieden war mit dem Single-Leben, wird irgendwann in eine Krise stürzen, an ihrer Einsamkeit zu Grunde gehen oder zumindest schlaflos dahinvegetieren. Dass die Lena-Figur ja ohnehin seit Jahren schon als wenig empathisch, frustriert und arbeitsversessen konzipiert wurde – geschenkt. Was mir der „Tatort“ da gestern Abend vorgeführt hat, sagen Freunde und Familie mir ja schon seit Jahren vorher: Allein alt werden ist nicht schön. Bislang hab ich diese Warnungen nie ernst genommen – und ausgerechnet ein „Tatort“ bringt mich zum Grübeln. Sonntagabend, allein auf dem Sofa – Sinnkrise zum Wochenend-Ende. Herrlich! Gut, dass ich Twitter habe.

Allein kriegst du die Krise
Ulrike Folkerts befeuert diese Einsamkeitsnummer auch noch in einem Interview zu ihrem „Tatort“-Jubiläum. Sie wünsche ihrer Lena-Figur, dass sie sich mal so richtig verliebe und dass sie alles durch die rosarote Brille sieht. Gut, dagegen spricht ja nichts. Mich nervt aber die – nicht mal unterschwellige Aussage – der „Tatort“-Macher: Allein ist immer blöd. Allein kriegst du die Krise. Und allein bereust du irgendwann, dass du nur eine Katze und keine Kinder hast. Charlotte Lindholm, die ebenfalls beziehungsunfähige Ermittlerin aus Hannover, musste ja auch irgendwann ein Kind mit ihrem Mitbewohner bekommen (ähm Anm., der Vater ist nicht der Mitbewohner, der musste lediglich als Babysitter herhalten. Vielen Dank für den Hinweis, an die Leser red und Ellen). Und Karla Blum vom Bodensee ist Tristesse und Langeweile in Personalunion. Von Eva Saalfeld aus Leipzig ganz zu schweigen. Alle beziehungsunfähig und irgendwie griesgrämig. Darf ein Single nicht gern arbeiten? Ohne gleich Workaholic zu sein, und gern allein sein, ohne gleich einsam zu sein? Mit dem Frauenbild hatte der Kölner „Tatort“ kürzlich schon ein ernsthaftes Problem. Wenigstens machen die Drehbuchautoren auch vor der männlichen Spezies nicht halt, auch die sind notorisch allein, einsam, unzufrieden, siehe Max Ballauf in Köln.

Wenn Partner, dann bitte weiblich
Gut, vielleicht steigere ich mich da auch gerade rein. Ich wünsche mir aber wirklich mal einen glücklichen Single im Fernsehen. Gibt es ja in der realen Welt auch. Und wenn Ulrike Folkerts sich für ihre Lena eine Liebe wünscht, dann könnte das doch mal eine Frau sein. Das hätte was – oder ist das zu zeitgemäß für den Sonntagabend?