Bei der ersten „Bachelor“-Folge habe ich noch gelacht – und getwittert.

//platform.twitter.com/widgets.jsBei der zweiten den Kopf geschüttelt – und getwittert.

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Bei der dritten Folge gar nicht mehr eingeschaltet. Um dann bei der vierten doch noch mal einzuschalten – bloggetriebene Neugier. Ich bin noch unschlüssig, ob ich mir Sorgen machen sollte. Und um wen am meisten:

    Um die weiblichen Kandidatinnen, die nicht wie Pferdewirtin Lisa nach der ersten Folge Reißaus nahmen – weil sie sich selbst vorführen, nicht wissen, was sie tun oder im Dschungelcamp landen werden.
    Um die männlichen Zuschauer – weil sie der irren Annahme erliegen könnten, dass es diese blonden Damen in Abendkleidern mit zu viel Make-up tatsächlich außerhalb der RTL-Kulissen gibt.
    Um die jungen Zuschauerinnen, die ihr Männer- und Frauenbild auf diese Sendung aufbauen. Sind doch so leicht zu beeinflussen, die Mädels.
    Um mich, weil mir ständig ein feministische Engel auf der Schulter hockt.
    Um Alice Schwarzer, Anne Wizorek & Co – weil man als Feministin – egal welcher Generation – sein Lebenswerk innerhalb weniger Sendungsminuten zerstört sieht:

//platform.twitter.com/widgets.jsRTL weiß (oder sagt) wenig über die „Bachelor“-Zuschauer. 3,5 Millionen sind es in dieser Staffel im Schnitt pro Mittwochabend. Der Sender verrät, dass es vor allem junge Frauen sind. Was ist denn bitte jung? Werbetreibende werden mich wohl kaum mehr dazu zählen. Ob diese jungen die Reality-Show als Comedy sehen, als trashige Unterhaltung oder aber ernst nehmen – hoffentlich eins von den ersten beiden – fragt vorsichtshalber niemand ab. Diejenigen, die auf Twitter kommentieren, distanzieren sich überwiegend schenkelklopfend. Es ist also wie mit der „Bild“ – keiner liest sie, aber sie hat eine Riesenauflage.

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Nur mal so eine These: Männer gucken den „Bachelor“ eher nicht aus freien Stücken. Dabei könnte das für sie geradezu Bildungsfernsehen sein. Für alle jene Männer, die ob all der emanzipierten Frauen verunsichert sind und die nicht wissen, wohin mit ihren Machoallüren – es gibt noch Hoffnung, wenn man ein paar Dinge verinnerlicht, die Oliver Sanne aka „Der Bachelor“ mit Bravour zur Schau stellt.

Es ist nicht schlimm, wenn man mal dick war.
Keine Sendeeinheit zwischen zwei Werbeblöcken, in der „Der Bachelor“ nicht auf sein hartes Schicksal verweist.
Lernziel: So lang man jetzt durchtrainiert ist, ist alles chico.

Mit einer Blonden machst du nie was verkehrt.
Sieben Mädels von 22 sind noch im Rennen. Eine von ihnen hat dunkle Haare. Der Gesamtfundus war eher hellhaarig.
Lernziel: Formulier ein Beuteschema, bleib ihm treu.

Wenn zehn Mädels um dich buhlen, eine mit dir ein Einzeldate hat, du den Rest sitzen lässt – sind neun Mädels hochgradig sauer. Aber es passiert – nichts.
Als Caro in der vierten Folge die erste war, die eine Nacht mit dem „Bachelor“ verbrachte, hing der Haussegen in der Villa mehr als nur schief. Fast alle waren unfassbar in Rage, zerrissen sich das Maul (mehr über sie als über ihn), aber alle gingen brav zur Rosenausgabe.
Lernziel: Benimm dich wie die Axt im Walde und die Mädels wollen dich trotzdem. Und: Selbst wenn Frauen die Spielregeln akzeptiert haben, sie finden sie doof und zetern rum.

Die Frauen, die lustig, cool und kumpelig sind, haben einen ganz weichen Kern.
Hat Sam in der vierten Folge mehrfach betont, wie sehr sie sich verletzt fühle, auch wenn sie immer lockere Sprüche bringt. Anica brach in Folge zwei beim Einzelgespräch in Tränen aus.
Lernziel: Kumpel hast du genug – und zwar männliche. Auf Tränen hast du keine Lust.

Auch eine Frau, die sich für den „Playboy“ auszieht, möchte sich verlieben.
Sarah verschreckt Oliver mit ihrem „Playboy“-Geständnis. Er erschüttert sie, weil er an ihren ernsthaften Absichten zweifelt.
Lernziel: Behalte es einfach für dich, wenn du an ihrer Glaubhaftigkeit zweifelst.

Wenn es hoch hergeht, erstmal einen kakaofarbigen Schnaps trinken – hilft.
Der alkoholhaltige Schnaps-Sponsor scheint sich erkauft zu haben, das „Bachelor“ und Damen in jeder Date-Situation an einem Gläschen nippen müssen.
Lernziel: Es muss nicht immer Bier sein.

Eine rote Rose, ein hübsch gedeckter Tisch, eine Limo – mehr braucht es nicht, damit dir die Frauenherzen zufliegen.
Gedreht wird nicht an Nord- oder Ostsee oder in den Alpen, sondern dort, wo man luftige Kleider tragen kann.
Lernziel: Pool, Villa, Casino – die Umgebung erleichtert das Verlieben. Wer es nicht hat – kann man alles mieten.

Gruppenbild mit Bachelor: Oliver Sanne und ein Teil der Kandidatinnen Copyright: Melanie Reisert/RTL
Gruppenbild mit Bachelor: Oliver Sanne und ein Teil der Kandidatinnen
Copyright: Melanie Reisert/RTL

Es bleibt ein Rätsel, warum vom „Bachelor“ eine millionenfache Faszination ausgeht. Ich schalte ja selbst immer wieder ein. Ist es etwa so, dass tief in unserem Innersten wir Frauen dieses Märchen vom Prinzen, der uns aus einem riesigen Kreis von Damen auswählt, herbeisehnen? Dass wir uns gern in tiefausgeschnittene Kleidchen und hochhackige Schühchen zwängen, nur um IHM zu gefallen? Sucht die Zuschauerin Bestätigung für divenhaftes Verhalten gegenüber Nebenbuhlerinnen? Oder flüchten wir in Schnulz und Romantik, die es im tristen Alltag nicht mehr gibt? Kann alles sein. Aber vor allem ist es:

Manchmal steht die Wahrheit auf einem Altpapiercontainer Credit: privat
Manchmal steht die Wahrheit auf einem Altpapiercontainer
Credit: privat