Kürzlich hat Freund Florian zu seinem 40. Geburtstag eingeladen. Noch bevor ich im Kalender nachschauen konnte, was ich an diesem Tag aus dem Weg räumen muss, um mit Bier und Wurst zu feiern, entfuhr mir ein tiefer Seufzer. Nicht etwa, weil mich die Feierlichkeiten an mein eigenes Alter erinnern. Der Tag ist ein Jubiläum. Für meinen Ex-Freund und mich. Exakt an diesem Tag vor zehn Jahren haben wir uns auf Florians Party kennengelernt.

Und schon liefen die Bilder wie in einer Slideshow durch meinen Kopf: Wir waren im Süden, Urlaub, ein großer Freundeskreis, einige kannten sich, andere lernten sich kennen, ständig Sonne, Bikini und Flipflops, eiskaltes Bier auf der Luftmatratze, Räucherschwaden vom Grill, weil die Marinade mal wieder in die Glut tropfte. Ich schwimme im Meer als mich eine Welle mitreißt und wie eine Flipperkugel durch das Wasser schubst. Als ich wieder auftauche – sein besorgter Blick. Dann der Hinweis, dass mein Oberteil verrutscht ist. Das freche Grinsen. Tage später ein gemeinsamer Lauf an den Steilküsten entlang. Irgendwann zum ersten Mal allein, unbeabsichtigt, es wollte nur kein anderer mit an den Strand. Oder hatten alle begriffen, was nur ich bis zu dem Zeitpunkt noch nicht kapiert hatte? Ich erinnere mich an den Blick in den Sternenhimmel am letzten Urlaubstag, als wir uns zum ersten Mal küssten.

Dann war sie weg – die Liebe
So kitschig-romantisch wurde es danach nicht mehr. Und dabei hatten wir lange Jahre Zeit. Aber es war einfach nicht unser Fall, unsere Art. So wie wir einiges anders machten als andere Paare – und uns dadurch gemeinsam stark fühlten. Wir wollten nicht klammern, nicht heiraten, keine Kinder und lange auch keine gemeinsame Wohnung. Die gab es dann irgendwann doch. Vielleicht war das der Anfang vom Ende. Wir kämpften, mal um uns, mal jeder um sich, womöglich nur halbherzig. Wann genau die Liebe weg war – vermag ich nicht zu sagen. Es ist auch müßig.

Denn jetzt ist sie wieder da, die Liebe. Also nicht die Liebe-Liebe. Eher so eine Freundschaftsliebe. Eine tiefe Verbundenheit, die durch nichts zu erschüttern ist. Wir haben gestritten, uns angeschrieen und angelogen. Jetzt reden und lachen wir wieder miteinander, trösten und tratschen und halten uns dabei gegenseitig auf Abstand (er mich besser als ich ihn), weil wir wissen – zu viel Nähe würde die Freundschaft zerstören, die Liebe aber nicht wiederkommen lassen.

Und während ich noch so meinen Urlaub-Strand-Sternenhimmel-damals-Gedanken nachhing, kam eine Nachricht von ihm: „Zehn Jahre, kann sein, dass ich ein bisschen – das ist mein Ernst – sentimental werde. Mag nicht das sein, was wir uns mal erdacht haben. Trotzdem bin ich froh, dass ich dich als Freundin habe. Mehr noch. Und das wird so bleiben.“

Romantischer war der Kuss unterm Sternenhimmel auch nicht. Ich freu mich auf unser Zehnjähriges, Bengel.