Ostern. Oha! Vier Tage am Stück frei. Läden größtenteils geschlossen, perfektes Wochenende für Familienbesuch, einsame Abende und andere Grausamkeiten, die das Singledasein bereithält. Aber während Singles schon Wochen vor Weihnachten Schweißausbrüche bekommen, ist Ostern selten ein Grund für Panikattacken. Zumindest gibt es keine größeren Selbsthilfegruppen wie in der Adventszeit oder gar am Valentinstag. Aus christlicher Sicht ist die Geringschätzung von Ostern ein unfassbarer Frevel. Denn – auch wenn ich nicht bibelfest bin – das Osterfest ist kirchlich betrachtet der deutlich höhere Feiertagswahnsinn. Ignorant wie unsere Konsumgesellschaft aber nun mal ist, zieht die Auferstehung Jesu Christi (ich hätte nie gedacht, dass ich den mal in diesem Blog erwähne) teilnahmslos an vielen von uns vorbei. Das birgt aber entscheidende Vorteile für Menschen ohne festen Partner.

Heiligabend ohne Familienanschluss ist eine Katastrophe. Selbst die überzeugtesten Singles rutschen schnell in eine Sinnkrise ab. Draußen ist es nass, kalt und dunkel und in allen andern Wohnungen flackern Kerzen, duften Gänsebraten und Liebende umarmen sich. Aber macht sich irgendjemand ernsthaft Sorgen, über das Osterprogramm? Nein. Aus guten Gründen.

1. Mehr Licht, mehr Laune
Die Sonne bescheint endlich wieder verstärkt diese Erdhalbkugel. Wir fahren nicht mehr im Dunkeln zur Arbeit und wieder nach Hause, sondern genießen – auch beim fiesesten Aprilwetter – mehr Licht. Sprich: Wir sehen wieder, wem wir beim Gang zur U-Bahn begegnen, wem wir beim Joggen zuzwinkern. Wenn es draußen dunkel ist, fühlt sich das Sofa wie der einzig richtige Ort an. Aber sobald die Sonne wieder wärmt, tauscht man die Couch gern gegen einen Caféstuhl.
Komplexe biochemische Vorgänge verkürzt dargestellt: Licht und Wärme machen gute Laune. Wer kann ernsthaft miesepetrig durch die ersten Frühlingstage schleichen? Die Frühlingssonne kitzelt Energie wach, die den Winter über irgendwo tief in uns geschlummert hat.

2. Der Frühling macht schön
Auch wenn ich persönlich den Wegfall von Mützen ob warmer Temperaturen beim männlichen Geschlecht für absolut bedauernswert halte, kann ich nicht leugnen, dass ich die Menschen im Frühling einfach schöner finde. Alle sehen so verdammt gut aus! Oder ist man nur einfach milder und gnädiger?

3. Kurzurlaub statt Hotel Mama
Nicht auszudenken, was los wäre, wenn ich Weihnachten nicht nach Hause fahren würde (oder meine Eltern bei mir bekoche). Ostern ist es familiär wie gesellschaftlich durchaus akzeptiert, nicht im engsten Familienkreis zu hocken und sich auf den Geist zu gehen. Also ist die Option, mit Freunden übers Wochenende wegzufahren, durchaus etwas, was zu der allgemeinen Entspanntheit beitragen kann.

4. Osterbrunch ohne Dramatik
Und selbst wenn Ostern familiär gefeiert wird: Es ist mit deutlich weniger Erwartungen aufgeladen als Weihnachten. Das große Gelage gibt es dennoch. Bei uns zieht sich das über den gesamten Ostersonntag, was den Magen und die Gemüter entspannt. Fragen nach Freund oder Vermehrungsabsichten kann man leicht abwehren, in dem man schnell nochmal was aus der Küche holt. „Entschuldige mich mal kurz, die Marmelade ist alle.“

5. Papas Witz mit Ei
Der Humor meines Vaters ist, gelinde gesagt speziell bis derb. Weihnachten fand er es superlustig, mir einen Schokoladenweihnachtsmann ins Bett zu legen. „Damit mal wieder ein Kerl neben dir schläft“, gab er als Erklärung an. Fand ich Weihnachten überhaupt nicht komisch. Jetzt ja. Zu Ostern bietet sich ein Scherz mit hartgekochten Eiern an. Aber: Die Tochter ist vorbereitet und schlägt zurück. Weihnachten hätte ich mir so etwas verkniffen, weil es den Familienfrieden hätte gefährden können.

6. Party statt Pärchenabend
Die Jahreszeit, in der Pärchen sich am Samstagabend treffen und „schön was zusammen kochen“ – Singles werden gern mit eingeladen, mal aus Mitleid, mal als Anekdotengeber – ist endlich vorbei. Selten fühlt man sich deplatzierter … Im Frühling aber ist das Stubenhocken vorbei, da geht man wieder raus, steht stundenlang vor Kneipen, flaniert über Flohmärkte und Straßenfeste, geht in Parks, macht Radtouren und plant Festival-Besuche und Open-Air-Konzerte.

7. Es gibt Eis, Baby
Meine Lieblingseisdiele macht immer Winterpause. Ich bin zwar der Ansicht, dass man Eis das gesamte Jahr über essen kann, auch bei minus 20 Grad. Aber auf mich hört ja keiner. Jetzt gibt’s das gute Zeug wieder waffelweise. Und wenn ich mir den Becher „Amore“ für zwei bestelle und ihn allein aufesse – super.

8. Ausziehen, es ist Frühling!
Wozu haben wir denn den Winter über im Fitnessstudio geschwitzt und bei minus 5 Grad noch tapfer die Laufrunde zu Ende gebracht? Richtig. Damit noch vor dem Sommer die Bikini- oder Badehosenfigur definiert ist. Gut, sich ganz zu entkleiden – dafür wäre es derzeit etwas zu frisch. Aber die Jacken werden dünner, die Röcke kürzen und irgendwann bald ist ganz bestimmt T-Shirt-Wetter.

9. Billige Blumen
Seit Wochen trage ich jeden Samstag ein kleines Vermögen in den Blumenladen in meiner Straße. Tulpen, Ranunkeln, Kirschzweige und halbe Forsythienbüsche habe ich schon in meine Wohnung geschleppt. Auch ökologisch keine ganz einwandfreie Geschichte. Das ist jetzt viel besser für Portemonnaie und Gewissen: Die Natur grünt und blüht.

10. Allem Anfang wohnt ein Zauber inne
Ich finde, dass der Frühling sich wie ein Neustart anfühlt. Es geht los! Mit neuer Energie und viel Schwung. Achtung, Attacke, hier komme ich! Und wer weiß – vielleicht auch jemand, der etwas vom Eisbecher „Amore“ abbekommt, zumindest einen Löffel.

Oder ist alles ganz anders? Und Ostern für euch doch der komplette Single-Horrortrip?