„Also, du und die Holländer, das klappt irgendwie nicht, hm?“ Ich war etwas irritiert von der analysierenden Aussage einer Freundin. Aber ich musste ihr nach kurzem Nachdenken Recht geben. Leider. Ich hatte zum wirklich letzten Mal (dem drei „wirklich letzte Male“ vorausgegangen waren) Max eine Whatsapp geschickt und gefragt, ob wir uns auf einen Kaffee treffen. Die Antwort kam fast prompt: „Super gern. Bin gerade nicht in der Stadt. Aber nächste Woche auf jeden Fall. Ich bringe auch Kaffee mit.“ Dass die nächste Woche verstreichen würde und dass ich Kaffee ohne Max trinken würde, war mir klar. Haken dran. Dann halt nicht. Nicht hinterherlaufen.

Mit dem Abschluss des Max-Kapitels muss ich dann auch das praktische Experiment mit männlichen Niederländern leider für abgeschlossen und gescheitert erklären. Denn: Drei sind ja bekanntlich ein Trend. Wenn man innerhalb kürzester Zeit (und ein Dreivierteljahr halte ich für kurze Zeit) drei Mal mit der gleichen Nation auf die Nase fällt, kann man sie getrost aus dem Beuteschema aussortieren.

Bislang wurde mir der Holländer grundsätzlich wärmstens empfohlen. Sie seien so entspannt, witzig, herzlich, flippig, locker. Ja, würde ich so unterschreiben. Aber leider auch unverbindlich, drücken sich um klare Ansagen, feige. Womöglich bedingt das eine das andere. Und Verallgemeinerungen sind ja immer schwierig bis falsch. Aber ich erkenne ein Muster.

Holländer Nummer 1: Florian. Wir trafen uns in einer Vollmondnacht, jenseits der Zivilisation, an der Hostelbar, beide im Urlaub. Wir aßen, tranken, erzählten und lachten in großer Runde. Wenn unsere Blicke sich trafen, waren da Neugierde und der Wunsch nach Zweisamkeit. Bei Vollmond und unterm Sternenhimmel knutschten wir in einem Baumhaus, erzählten uns unsere Leben mit einer Offenheit, die wir nur hatten, weil wir glaubten, dass wir uns nie wiedersehen würden. Unsere Reisewege kreuzten sich jedoch nochmals. Es war ein Urlaubsflirt. Mehr nicht. Zurück in der Heimat suchte er den Kontakt, schrieb täglich und schlug ein Treffen vor. „Die paar hundert Kilometer zwischen uns, drei Stunden Fahrt, das ist nichts.“ Gut. Gerne. Er kam nie. Von einem auf den anderen Tag hörten seine Nachrichten auf.

Holländer Nummer 2: John. Regelmäßige Blog-Leser kennen ihn schon aus einigen Einträgen. Auch ihn lernte ich im Urlaub kennen – als offenen, charmanten, großzügigen, entspannten Mann. Er betonte stets, dass er nicht monogam lebe, offene Beziehungen favorisiere und ich könnte ihm eigentlich dankbar sein, dass ich mich durch unser Treffen mit dem Thema mal auseinandersetzen konnte/musste. Allerdings hörte bei ihm jegliche Lockerheit auf, als ich ihm sagte, dass ich sein Spiel nicht mitspiele und sein Frauenbild für eine Katastrophe halte. Nicht, weil er in einer offenen Beziehung leben will, sondern weil er meiner Meinung nach dieses Label für etwas benutzt, was ich als „Frauensammlung“ bezeichnen würde. Nach Riesenkrach und Mega-Streit will er Frieden, Freundschaft und Kontakt. Verläuft gerade im Sand …

Holländer Nummer 3: Max. Er wohnt in meiner Stadt, in meinem Viertel, und wir trafen uns ganz klassisch in einer Kneipe, tauschten Nummern und brauchten ein paar Wochen bis zum Date, dass ich nicht mit sonderlich viel Elan anging. Dann war es aber eins der witzigsten und entspanntesten in meiner Single-Zeit, ohne diese Vorstellungsgespräch-Atmosphäre. Er lud mich ein, auch wenn ich protestierte. Es blieb bei einem Abschiedskuss im Regen. Man warnte mich. Nicht weil er Holländer ist, sondern Psychologe.

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Am nächsten Mittag bekam ich eine Whatsapp:
„Sitze in dem Café, das du mir empfohlen hast, kommst du auf einen Espresso vorbei?“
Er lud mich auch auf diesen Kaffee ein. Eine Woche später holte er mich abends vom Büro ab. Es klang so gar nicht kompliziert, sondern sehr entspannt. Er schrieb jeden Tag, als uns hunderte Kilometer trennten, und als wir wieder in einer Stadt waren – Funkstille. Versprechen, wir würden uns sehen, wurden nicht gehalten. Warum macht man sie dann?

Drei unterschiedliche Typen, drei unterschiedliche Geschichten – aber der Schluss kann nur sein – Finger weg von den Holländern. Ich muss meiner Freundin Recht geben. Kürzlich war ich mit einem Freund auf einer Party, ein Kerl quatschte mich an, flirtete ein bisschen. Der Freund fragte mich, ob er uns allein lassen solle. Meine Antwort: „Untersteh dich, das ist ein Holländer.“

P.S.: Wenn ein Niederländer Einspruch erheben möchte, möge er jetzt seine Stimme erheben – oder für immer schweigen.

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