Die SMS von Karsten kam mitten in der Nacht. 2.30 Uhr, in einer Juni-Samstagnacht.

„Hey, ich bin in zwei Wochen in deiner Stadt auf einer Hochzeit. Hast du Lust, mich zu begleiten?“

Ich war gerade nach Hause gekommen, schaute auf den Sperrbildschirm meines Handy und musste sehr laut lachen. Da hatte er sich wohl in der Nummer geirrt. Karsten habe ich seit sechs Monaten nicht mehr gesehen.
Wir kennen uns aus Studienzeiten, hatten nach dem Studium mal für ein paar Monate eine Affäre, verloren dann den Kontakt, er heiratete, ich hatte eine lange Beziehung. Als wir wieder zufällig beruflich Kontakt hatten, wollte er die Vergangenheit aufleben lassen. Ich war getrennt. Er verheiratet. Damit hatte ich ein Problem. Er nicht. Er umwarb mich, ich fühlte mich geschmeichelt, ging drauf ein und musste feststellen, dass es ihm nur um kurzweilige Abende in fremden Städten und kostengünstige Übernachtungsmöglichkeiten mit Anfassen ging. Mal abgesehen davon, dass ich ungern die zweite Geige spiele und als Geliebte daher schlechte Ausgangsvoraussetzungen mitbringe, war er an einer Affäre mit gewissen Regelmäßigkeiten, Liebesschwüren und sehnsüchtigen SMS nicht interessiert. Die ausführliche Schilderung gibt es hier.

Ich zog einen Schlussstrich unter etwas, das gar nicht anfangen hatte. Daher hielt ich es auch nicht für notwendig, ihn darüber zu informieren. Würde er schon merken, wenn er das nächste Mal in der Stadt wäre.

Das dauerte dann so sechs, sieben Monate … Als Auftakt gab es besagte nächtliche SMS. Ich schlief erstmal drüber und schrieb dann zurück:

„Sie haben sich verwählt. Dies ist nicht die Nummer des Escort-Service.“

Er fand es witzig und schrieb zurück, dass es durchaus ernst gemeint sei. Es seien Freunde aus unserer gemeinsamen Uni-Stadt – die ich nicht kenne – und es wäre doch witzig.

„Warum kommt deine Frau nicht mit?“

Auf diese Frage erhielt ich keine Antwort. Ein paar Tage später rief Karsten an, er wüsste jetzt, wann und wo die einzelnen Teile der Hochzeit stattfinden und würde gern mit mir besprechen, wann wir uns wo treffen. Bitte was? Als er erzählte, wie und wo, überlegte ich tatsächlich kurz, ob ich mein Sommerkleidchen abbürsten sollte und mich zum Sektempfang und Kuchenbuffet bei ihm unterhaken sollte. Aus reiner Neugier, wer da sonst noch so rumsteht und wie er erklären würde, dass ich an seiner Seite bin. „Zum Hochzeitstanz bin ich aber weg. Ich bin abends verabredet“, sagte ich.

Drei Tage vor der Hochzeit fragte ich nach, wann Karsten käme, wo er schlafe, wann wir uns sehen würden. Er schrieb, dass er vermutlich gar nicht kommen würde, weil er am Sonntag schon wieder auf Dienstreise müsste. Dann hörte ich nichts mehr.

Und meldete mich auch nicht mehr. Ich war wieder auf diesen Vogel reingefallen! Was für eine Schmach. Gerade nochmal abgewendet. Aber haarscharf.

Vor zwei Wochen schrieb Karsten wieder, er sei in Kürze in meiner Stadt, ob er bei mir bleiben könne. Ich überlegte kurz. Mal wieder neben jemandem aufwachen? Wäre doch schön. Glücklicherweise kämpfte sich meine Würde an die Oberfläche, rang das Verlangen nieder. Ich schrieb ihm zurück:

„Wir können gern trinken und tanzen gehen. Bei mir übernachten geht nicht.“

Daraufhin kam nichts. Eine bessere Antwort hätte es nicht geben können. Denn jetzt ist auch das Rest-Verlangen zum Schweigen gebracht.

Der Singlefrau kann man hier auf Twitter folgen.

Die Facebook-Seite der Singlefrau findet man hier.