Ich wusste, dass dieser Moment kommen würde. Und ich ahnte, dass er es sein würde, der wieder jemanden an seiner Seite hat, nicht ich. Denn so war es bislang immer: Ich trenne mich, aber er hat als erstes wieder eine Beziehung. Jetzt hat also mein Ex-Freund eine neue Freundin. Wir sind lange getrennt, ich freu mich sehr für ihn und wir sind eng genug befreundet, dass ich es wusste, bevor ich es über Dritte hören oder zufällig sehen konnte. Und trotzdem macht es etwas mit mir. Es schließt etwas ab, was ich schon lange für abgeschlossen hielt. Und davor wühlt es nochmal ordentlich auf.

Wir sind seit mehr als drei Jahren getrennt. Als wir auseinanderzogen, sagten wir dieses „Freunde bleiben“ und meinten es auch. Er verlegte den Fußboden in meiner neuen Küche. Ich strich sein neues Arbeitszimmer. Wir stritten uns, als hätten wir noch eine Beziehung. Wir feierten Silvester zusammen. Er tröstete mich bei Liebeskummer. Mal hielten wir Abstand, mal waren wir unzertrennlich. Wir sind ehrlich miteinander. Schonungslos und liebevoll. Er ist eine Bank, bedingungslos. Und je mehr Zeit seit der Trennung vergeht, weiß ich, was für einen tollen Freund ich mit ihm habe und warum die Beziehung nicht mehr funktionierte und nicht mehr funktionieren würde.

Und dennoch: Ich habe Tränen in den Augen, während ich diese Zeilen schreibe. Weil ich weiß, dass ich jetzt nicht mehr die wichtigste Frau in seinem Leben bin, wenngleich ein wichtiger Mensch. Weil ich weiß, dass ich ihn wirklich geliebt habe, was ich manchmal bezweifelt habe. Weil ich weiß, dass er wieder jemanden lieben kann und ich glaube, noch nicht so weit zu sein und ernsthaft bezweifle, dass es jemals wieder so weit kommen wird. Weil ich weiß, dass es schwer werden wird, mich jemals wieder so auf jemanden einzulassen. Weil ich sehe, wie sehr er sich auf die neue Beziehung einlassen kann, habe ich das doch in unseren letzten Monaten so sehr vermisst. Weil die beiden dorthin in den Urlaub fahren, wohin ich gern mit ihm gefahren wäre.

Er weiß das alles, so offen sind wir miteinander. Und er sagt, er versteht es, denn im vergangenen Sommer hat er sich auch mit mir gefreut, als ich heftigst verliebt war. „Es war hart das zu hören, aber ich habe es dir gegönnt und mich für dich gefreut“, sagte er neulich. Damals hat er sich den Schmerz nicht anmerken lassen und er war wenig später für mich da, als ich sehr liebeskummerig war. Nicht aus Schadenfreude, sondern aus Sorge.

Du liebst ihn noch immer, werden viele denken. Ja, als Mensch, als Freund, als Vertrauten. Nicht als Mann, nicht als Partner.
Du bist eifersüchtig, sagen andere. Nein, nicht auf sie, nicht auf ihn, nicht auf beide. Ich war sehr eifersüchtig als wir zusammen waren. Das hat das Leben komplizierter als nötig gemacht. Ich habe seine neue Freundin nicht gegoogelt oder auf sozialen Netzwerken gestalkt. Ich hab das schon bei Männern gemacht, mit denen ich keine Beziehung hatte. Mal so abchecken, wen er sonst noch so datet … Aber sie wühlt mich nicht auf. Ich mache mir das Leben nicht unnötig schwer.
Du willst ihn zurück, werfen mir einige an den Kopf. Ganz bestimmt nicht. Es gab sehr gute Gründe, warum wir uns getrennt haben. Rechtzeitig und ohne Rosenkrieg. Dennoch fühlte es sich wie ein Scheitern an. Nach all den Jahren, in unserem Alter. Aber wir sind noch immer die selben Menschen, wir würden wieder an die gleichen Punkte kommen, die uns damals auseinander gebracht haben. Und dahin möchte ich unter keinen Umständen zurück.

Deswegen habe ich auch Angst vor einer neuen Liebe.
Ebenso wie ich Angst habe, ihn als Freund zu verlieren, auch wenn er sagt, dass das nie passieren wird. Aber es wird sich etwas verändern.
Und ich habe auch Angst vor der ersten Begegnung mit ihm und ihr. Auch wenn ich mich für ihn freue, so wie man sich eben freut, wenn ein Freund glücklich ist, wird das Bild mir einen Stich versetzen. Ich werde ihr nicht die Augen auskratzen oder sie wüst bepöbeln. Aber der Moment, in dem ich ihr die Hand gebe, wird ein komischer sein.

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