„Es ist kein Wunder, dass du keinen Kerl findest“, sagte ein Freund vor etlichen Monaten zu mir. „Allein wie du hier durch die Bar gehst, am Tresen stehst, deine Drinks bestellst. Jeder sieht, dass du selbstbewusst und zielstrebig bist. Da haben die Männer Angst.“
„Haha, was für ein Quatsch“, entgegnete ich und freute mich über das Kompliment. Was ist daran falsch und verwerflich, selbstsicher aufzutreten? Genau das will ich, bin ich.
„Das schreckt die Männer ab. Da traut sich keiner, dich anzusprechen.“
„Wenn er sich davon einschüchtern lässt, kommt er mit mir auch nicht klar.“
„Sei mal mehr Mäuschen, dann klappt es.“

Da dieses Gespräch wenige Monate nach meiner Trennung stattfand, hatte ich kein Interesse an mehr als einem Flirt und machte mir keine ernsthaften Sorge, um eine womöglich zu toughe Ausstrahlung. Und ich glaube bis heute nicht, dass das der Grund für mein Singledasein ist. Ich kenne einen Haufen kluger, intelligenter, erfolgreicher Frauen, die Partner haben, verheiratet sind, Kinder kriegen.

Vor einigen Tagen bekam ich dann von besagtem Freund einen Link zu einer Studie geschickt, mit den Worten: „Siehste, Mäuschen. Ich habe es schon immer gesagt.“

Diese US-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Männer sich Frauen suchen, die ihnen unterlegen sind, selbst wenn die Herren behaupten, dass sie mit intelligenten Frauen gar kein Problem hätten. Im Feldversuch offenbaren sie nämlich, dass schlauere, erfolgreichere und cleverere Mädels ihnen unheimlich sind.

Damit haben alle Singlefrauen eine schöne Erklärung, warum dass mit den Kerlen einfach nicht klappt. Ich bin Single, also bin ich schlau. Super! Intelligenztest überflüssig.

Was für ein Quatsch! Oder?

Na ja, es gibt Situationen, die am Selbstbewusstsein des Mannes zweifeln lassen.

Wenn Männer ein Problem mit ihrer Chefin haben, wird nicht selten betont, dass es an ihren weiblichen Eigenschaften, Launen, Attributen liegt. Hat man sich schon mal über einen männlichen Chef geärgert und gedacht, dass ihn seine Alte wohl nicht ranlässt? Eben.

Heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit mal wieder: Ich überhole auf dem Rad einen Typen, der gefühlte Kilometer vor mir herschnarcht. Nachdem ich an ihm vorbeigefahren bin, tritt er in die Pedale, als sei ihm gerade eingefallen, dass er einen dringenden Termin hat. Passiert ungefähr drei Mal pro Woche.

Oder beim Joggen: Lauf doch mal locker-flockig (zumindest so tun) und schnellen Schrittes an einem Mann vorbei. Plötzlich setzt er zum Sprint an – jede Wette. Kann ja nicht sein, dass eine Frau schneller ist!

Banale Alltagsbeispiele. Aber mir hat tatsächlich mal ein Typ gesagt, dass er es super findet, dass ich Sport mache, aber ich würde es doch etwas übertreiben. Weil ich einen Halbmarathon eine halbe Stunde schneller laufe als er? Ernsthaft? Greift ihn das in seiner Männlichkeit an?

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Texten und Studien zur neuen Rolle des Mannes und dass er damit nicht klar komme. Sie seien in den Jahrzehnten der Emanzipation vernachlässigt worden und haben ihre Männlichkeit verloren.

Eine Autorin von Elite Daily drückt es so aus: „Frauen sind nicht allein, weil mit ihnen irgendetwas nicht stimmt. Sie sind allein, weil ihnen keiner gut genug ist.“ Lauren Martin kommt zu dem Schluss, dass viele starke, selbstbewusste Frauen keinen Mann finden, der ihren Ansprüchen genügt. Und das sei nicht das Problem der Frauen, sondern das der Männer. Steile These – würde ich mal behaupten. Denn sie setzt voraus, dass alle erfolgreichen, starken, selbstbewussten, großartigen Frauen gern allein sind. Ich wäre die letzte, die keine Ansprüche stellt, aber jedem ist ja wohl klar, dass Kompromisse und Zugeständnisse Voraussetzung für eine Beziehung sind.

Was ich jedoch bei Lauren Martin unterschreiben kann, ist ihre Behauptung:

„Frauen, die mit sich im Reinen sind, wollen keine Erwartungshaltung erfüllen. Sie verstecken ihre Intelligenz nicht, wollen nicht nur auf Grund ihrer Sexualität und Reize wahrgenommen werden.“

Natürlich stelle ich mich nicht extra dämlich, damit ein Mann mit mir flirten kann und will. Das wäre lustig für einen Abend. Doch was macht er, wenn ich in den „normal Modus“ zurückfinde?

Ich glaube auch nicht, dass es Intelligenz als solches ist, die abschreckt. Eher Selbstbewusstsein im wahrsten Wortsinn.

– Ich weiß was ich will, daher sollte es auch der Mann an meiner Seite wissen. Identitätskrisengebeutelte Männer sind wenig sexy.
– Ich habe meine Meinung – zur Flüchtlingskrise, Mülltrennung und dem neuen Star-Wars-Trailer. Er muss meine nicht teilen, sondern soll seine haben und gern behalten. Und wenn wir uns darüber in die Haare kriegen, soll er nicht gleich schmollen.
– Ich kenne meine Schwächen, weiß, was in meinen Beziehungen falsch gelaufen ist und habe daraus meine Schlüsse gezogen. Das darf ich jetzt auch von ihm verlangen.
– Ich brauche keine Beziehung, weil irgendeine Beziehung besser ist als gar keine. Wenn Partnerschaft, dann bitte mit Leidenschaft, Begeisterung und Feuerwerk.

Daher geht’s auch weiterhin zielstrebig an die nächste Theke; denn da gibt es das kalte Bier. Und wenn er sich nicht traut, mich anzusprechen, lade ich ihn halt auf eins ein.

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