Es gibt diese Sätze, die, sobald sie im Raum stehen, ankündigen, dass ein schlimmerer Satz folgen wird. „Ich muss dir was sagen“ ist so ein Satz. Danach kam: „Ich habe jemanden kennengelernt.“

Ich stand mit dem Mann, der ihn kürzlich zu mir sagte, in einem Club. Das Konzert hatte zwar noch nicht angefangen, aber die Vorgeplänkelmusik war laut genug, das Licht schon dunkel, ich lehnte an einer Säule und war froh über den kräftigen Gin-Cocktail in der Hand. Der Plastikbecher war innerhalb kürzester Zeit leer. Die Säule gab mir Halt. Trotzdem wurde mir schwummerig. Ich kenne diese Situation, viel zu gut. Der Moment, in dem mir klar wird: Du warst eine Übergangsfrau. Eine, mit der Abende schön sind, auch manche Nacht, aber in die man sich nicht verliebt. Du hattest keine Ansprüche, wolltest sie wahrscheinlich auch nie. Oder doch? Auf jeden Fall: Jammerschade, dass das hier das Ende ist.

Verknallt, verliebt, aber nie verlobt
Meine Beziehungen habe bislang immer ich beendet. Bei Affären war es stets andersherum. Irgendwann war es immer vorbei, weil er eine – böse gesagt – Bessere gefunden hatte. Eine, die zu ihm passt und bereit ist für eine Beziehung, die nicht signalisiert, dass sie nur eine lose Verbindung haben will. Denn auch wenn es das ist, wozu ich im Moment bereit bin – und nicht mehr – versetzt mir das Ende einer Affäre einen Stich. Die Fragen
– Warum ist da zwischen uns eigentlich nichts entstanden?
– Warum passt das nicht?
– Was fehlte?
– Was fehlte mir?
stelle ich mir nicht zum ersten Mal und sie sind auch unabhängig vom Mann. Sie verdrängen auch komplett, dass ich gar keine Beziehung will.

Vor meiner letzten Beziehung, ich war noch Studentin, ist mir das sehr häufig passiert. Über längere Zeiträume traf ich mich mit ein und dem gleichen Jungen, wir hatten Spaß, irgendwas war da auch, aber irgendwann hatte er eine Freundin. Damals wollte ich meinen Singlestatus sehr gern aufgeben, so dass mich jedes Affären-Ende mitnahm und meine WG-Mitbewohner viel Aufbauarbeit leisten mussten. Oftmals schon im Vorfeld die Augen verdrehten und sagten: „Aber bitte nicht schon wieder so was.“
Ich erkannte das Muster, kam aber nicht dagegen an. Ich verknallte mich in die Jungs, vielleicht verliebte ich mich auch mal, ich wäre auch gern Hand in Hand durch die Stadt geschlendert mit ihnen und wartete auf SMS, die damals noch unanständig teuer waren, und hoffte auch einige Male, dass sich über die Zeit doch etwas entwickeln würde. Aber tief im Inneren wusste ich immer, dass es der eigentlich nicht ist. Dass ich die Unverbindlichkeit und die Momente zusammen genoss, aber mir mehr vorstellen wollte, sie das aber nicht konnten.

Das konnten sie sich immer nur mit anderen Frauen. So wurde ich zur Übergangsfrau, ein ums andere Mal. Das Drama behielt ich immer für mich, eine furiose Szene war nie mein Ding. Oftmals blieb der Kontakt bestehen, zumindest eine Weile. In guten Momenten sah ich das, was nach der Affäre blieb, als viel wertvoller an. In schlechten, dass ich ein Zeitvertreib war, aber nicht liebenswert oder beziehungsfähig.

Vom Lover zum Freund
Nach meiner letzten Trennung hatte ich diesen Moment nicht. Bis jetzt. Was daran liegt, dass sich keine dauerhaften Affären entwickelten. Man(n) meldete sich eben einfach nicht mehr. Auch bei Mr Niceguy war es zunächst nicht abzusehen, dass das alles mal so kommen sollte. Wir wussten beide, was wir voneinander wollten, als wir uns zum ersten Mal trafen: Sex. Ich musste ihn schnell aus irgendwelchen Schubladen rauskramen, als wir uns vorher stundenlang unterhielten, und ich den eigentlichen Grund des Treffens beinahe vergaß. Wir trafen uns erst sehr selten und immer mit der einen Absicht. Und dann gab es plötzlich ein paar Treffen, die nur aus Musik hören, Bier trinken, in der Sonne sitzen und reden bestanden. Ich konnte nicht benennen, was es war. Eine gute Mischung aus Sympathie, Verständnis, Interesse. Gefühle, aber kein Verliebtsein. Eher ein Vertrautsein, ein Fasziniertsein, ein Dankbarsein für eine Begegnung. Ich war nie die einzige Frau in seinem Bett in den vergangenen Monaten. Es gab andere Männer, die ich küsste. Wir wussten das beide. Manchmal sprachen wir darüber. Das war für mich mehr als nur okay. Ich wollte und will keine Exklusivität beanspruchen, weil ich sie auch nicht bieten möchte.

Und dennoch stand ich an diesem Abend mit den denkwürdigen Sätzen an meiner Säule, war traurig, freute mich für ihn, war neugierig und sehr durstig. Ich wollte keine Fragen stellen, aber alles wissen, vor allem, ob wir den freundschaftlichen Part bewahren wollen und können. Gut, dass das Konzert anfing. Es wischte alle Gedanken weg und gab mir Zeit, mich daran zu gewöhnen, dass ich beim Betreten des Clubs dachte, er sei mein Lover, beim Rausgehen wissen würde, dass wir keine Nacht mehr miteinander verbringen, höchstens trinkend und tanzend. Das fühlte sich total beschissen an und gleichzeitig sehr, sehr gut. Ich bedauere, dass wir diesen großartigen Sex nicht mehr haben werden. Aber weiß, dass Mr Niceguy auch andere Qualitäten hat. Selbst das Beenden von Affären beherrscht er wie kein anderer, weil er kann, was viele Männer nicht wollen: klare Ansage, offene Karten.

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