Die vergangenen drei Jahre, ach, eigentlich noch viel länger, war immer schon Wochen im Voraus klar, wie ich Silvester feiern würde: im großen Freundeskreis. Irgendjemand stellte seine Wohnung zur Verfügung, jeder brachte etwas zu essen und Getränke mit. Nichts Großes, nichts Aufregendes, aber ein Garant für einen guten Abend. Selbst als ich als Single unter vielen Paaren feierte und klar war, dass ich an diesem Abend nicht flirten würde.

Und in diesem Jahr? Alles anders.

Ich wohne in einer neuen Stadt und habe noch keinen Freundeskreis. Die bewährte Party in der alten Stadt gibt es nicht. Es hätte andere Feieroptionen gegeben. Aber irgendwie fühlte sich das falsch an, rückwärtsgewandt. Nicht, dass ich meine Freunde nicht gern sehe. Im Gegenteil, ich freue mich auf die nächste Party in wenigen Wochen.

Außerdem muss ich rund um den Jahreswechsel arbeiten, nicht nur im neuen Job, auch mein Buch soll fertig werden. Deshalb habe ich Einladungen in andere Städte und zu Freunden aufs Land ausgeschlagen. Es muss eine Vor-Ort-Lösung her.

Ich habe Lust auf Silvester in der neuen Stadt. Mit neuen Leuten. Mir ist nach Aufbruch und nach einem Blick nach vorn.

Möglichkeit eins – mit den neuen Kollegen

„Es wird ja ohnehin zu viel Gewese um Silvester gemacht“, sagte jemand kürzlich zu mir, weil ich ihm noch nicht sagen konnte, was ich am letzten Tag des Jahres machen werde. Es war wohl als Trost gemeint. Ja, klar, deswegen reden ja alle seit Wochen darüber. Deswegen überlegt man ja jedes Jahr aufs Neue, wie man diesen Tag verbringt. Und deswegen wird man ja so schief angeguckt, wenn man erwägt, diesen Abend allein zu verbringen.

Zwei neue Kolleginnen haben mich eingeladen. Das ist sehr nett und lieb, ich freue mich. Aber sie sind zehn Jahre jünger. Und wie witzig ist es, Silvester die neue Chefin einzuladen? Es ist mehr als eine Mitleids-Anstands-Einladung. „Du wirst nicht allein sein“, sagte eine. Wenn ich es nicht will. Aber vielleicht will ich es? Ich weiß es nicht. Ich zögere noch.

Möglichkeit zwei – mit Single-Frauen

„Willst du mit mir und vier, fünf anderen Mädels feiern?“, fragte mich Annabell vor ein paar Tagen. „Wir wollen zusammen essen und dann in ein paar Clubs tanzen gehen.“ Das klingt erstmal gut. Nur: Ich kenne Annabell kaum. Wir haben uns neulich zufällig in einer Bar in meiner neuen Stadt getroffen. Annabell hatte Redebedarf, und ich wunderte mich, dass sie mir so schnell von ihrem Streit mit ihren Pärchen-Freunden über ihr Single-Leben erzählte. Sie fühlte sich mir verbunden, weil wir beide keinen Partner haben. Mir ist das als gemeinsamer Nenner zu wenig. Als ich zögerte, legte Annabell nach. „Hast du dich entschieden? Wir wollen Karten kaufen.“ Ich schrieb ihr, ich überlege noch. „Könnten wir bei dir essen? Ich habe nur vier Stühle.“ Und 30 Minuten später: „Hast du ein Raclette-Gerät?“ Das war der Punkt, an dem ich ausstieg. Silvester mit fünf mir unbekannten Singlefrauen, die im Raclette-Pfännchen rühren und sich verzweifelt anschauen … Nein, danke.

Möglichkeit drei – eine Hausparty

„Dann lass uns doch eine Hausparty feiern“, sagte Jessica. Sie ist fast zeitgleich mit mir in dieses Haus eingezogen. Mit Freund und einem ein paar Monate alten Kind. Jessica und ihr Typ sind in meinem Alter, sehr herzlich, sehr entspannt. Als ich am vierten Advent meine Ich-bin-die-Neue-Hausrunde machte, saßen wir innerhalb weniger Minuten auf dem Kinderzimmerboden statt auf dem Sofa, turnten mit Kasper und sprachen über Weihnachten und Silvester. „Es sind ein paar Leute hier im Haus da. Wir bleiben auch wegen ihm hier“, sagte Jessica und zeigte auf ihren Sohn. Die Idee einer Mehr-Generationen-Party gefällt mir. Geplant wird bislang nichts, mal sehen, wie spontan meine Nachbarn sind.

Oder doch ganz allein
Vielleicht passiert ja noch was, bietet sich spontan doch noch eine Partymöglichkeit an. Ich versuche, mir möglichst wenig Gedanken um diesen letzten Abend im Jahr zu machen. Die Vorstellung, ganz in Ruhe etwas zu kochen, allein zu essen, gegen 24 Uhr eine Flasche Sekt unter den Arm zu klemmen und ein paar Meter den Berg hinaufzusteigen, das Feuerwerk anzugucken und dann früh und ohne Party ins Bett oder allein in einen Club zu gehen und zu tanzen – gefällt mir. Und gleichzeitig bin ich mir sicher, dass ich auf dem Weg bis Mitternacht die ein oder andere Krise bekommen werde. Mir die Tränen kommen, ich mich einsam fühlen und mich fragen werde, warum ich nicht zu den Freunden gefahren bin. Aber dramatisch wäre auch das nicht.

Noch sind ja ein paar Tage Zeit. Morgen kaufe ich erstmal Feuerwerk. Und halte euch hier auf dem Laufenden, wie ich mich entscheide:

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