Vor ein paar Wochen rutschte folgender Post in meine Facebook-Timeline: „Wenn du diese Sätze hörst, will er keine ernsthafte Beziehung“. Zwar existiert diese Fragestellung in meinem Leben derzeit nicht, aber ich klickte dennoch. Von Zeit zu Zeit bin ich ein williges Clickbate-Opfer.

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Ich fühlte mich sofort ertappt. Die Sätze, die die Kollegen der Brigitte gesammelt haben, kamen mir teilweise äußerst bekannt vor. Nicht, weil ich sie in den vergangenen Wochen gehört hätte. Sondern ich habe sie gesagt – oder zumindest gedacht. Über und zum Mann mit Hut, den ich in der Silvesternacht kennengelernt habe und bei dem ich mich schon in der Woche darauf gefragt habe, wie man das zwischen uns eigentlich nennen soll.

Ich habe bis heute die Frage rausgeschoben, will sie auch immer noch nicht beantworten. Auch wenn ihr sie mir immer mal wieder stellt. (Ich mir natürlich auch.) Wir sehen uns ein, zwei Mal die Woche, meistens nur für den Abend und die Nacht, gehen für einen Drink in eine Bar, kochen zusammen oder tanzen im Wohnzimmer. Es sind Stunden voller Leichtigkeit und Freude, voller Gespräche und Glück, spannende und spaßige Momente. Und dennoch verspüre ich nicht ausreichend Lust und Notwendigkeit für eine feste Beziehung. Ich freue mich über seine Gegenwart, aber vermisse ihn nicht, wenn er nicht an meiner Seite ist. Ich bin interessiert an seinen Sorgen, seinen Träumen und an seinem Alltag, aber möchte all das nicht mit ihm teilen. Wenn ich über ihn rede, sage ich „ein Freund“, manchmal auch nur „ein Bekannter“. Er selbst bezeichnet sich als mein Liebhaber. Wenn er das sagt, grinst er und ich meine, Stolz und Abenteuerlust in seinen Augen funkeln zu sehen. Wir haben keine Erwartungen aneinander, außer, dass wir ehrlich zueinander sind und miteinander offen umgehen.

Das tue ich. Nur mir selbst gegenüber bin ich nicht ehrlich. Und dabei haben mich die obigen Sätze ertappt. Wenn ich mich frage, warum ich mit ihm nicht zusammen sein will, sondern lieber die Unverbindlichkeit des Moments genieße, dann fallen mir genau dieselben Sätze ein:

Hier geht’s zum Vergleich zum Brigitte-Artikel.

Nummer 2: Vorsichtig angehen
Oh ja, das gefällt mir, bloß nichts überstürzen. Wir haben uns auf einer Party kennengelernt. Uns geküsst, ohne zu wissen, wer wir sind. In der Magie des Moments fragt man nicht nach Alter, Beruf und Macken. Als ich dann wusste, dass er noch studiert, in einer WG wohnt und den 30. Geburtstag noch vor sich hat, wurde ich vorsichtig. Können zwei so unterschiedliche Leben zusammenfinden?

Nummer 4: anstrengende Arbeit

Das ist nicht mal vorgeschoben, sondern Fakt. Ich habe mein 40-Stunden-Soll meist am Donnerstagmittag erfüllt, was nicht heißt, dass ich freitags frei mache. Er hat einen Studentenjob und deutlich mehr Tagesfreizeit. Sport, Hausarbeit und Sozialleben finden bei mir vor 8 und nach 19 Uhr statt. Für mich gerne ein Grund, sich nicht jeden Abend zu treffen. Für ihn manchmal schwer nachzuvollziehen. Und ich bin mir sicher: Sollte dieser sagenumwobene Mr. Right eines Tages auftauchen – weder warte ich auf ihn, noch erwarte ich ihn – , sind mir die Bügelwäsche und Bizeps-Training ziemlich schnuppe.

Nummer 5: Super-Sex
Kein „aber“. Nur ein zustimmendes Nicken. Daumenhoch für hungrige Jünglinge, die Lust auf Neues haben.

Nummer 10: meine Freunde, deine Freunde
Ich verstecke ihn nicht oder halte ihn geheim. Zum Firmenjubiläum, dem 65. meines Vaters oder zum Abendessen bei Freunden gehe ich trotzdem als Single. Seine Freunde kenne ich bislang auch nur aus Erzählungen. Sie wollen mich kennenlernen. Noch winde ich mich geschickt aus allem raus, spiele auf Zeit.

Immerhin: Ein paar Gründe kann ich ausschließen. Ich bin nicht verheiratet oder anderweitig liiert, fahr auch nicht mehrgleisig. Der Ex ist Vergangenheit. Ich plane keinen Auslandsaufenthalt und Beziehungen hatte ich schon. Uns beiden sind unsere Freiräume wichtig und wir gewähren sie einander. Satz Nummer 9 würde ich trotzdem so nie sagen, denn locker sehe ich all das nicht; denn dann würde ich diese Sätze nicht als das wahrnehmen, was sie sind – Ausreden. Sie versichern mir, dass ich meine Freiheiten nicht aufgeben muss, weiterhin selbstbestimmt durchs Leben gehe und nur für mich Verantwortung trage und mit mir Verabredungen treffe.

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