Neulich habe ich meinen Samstagabend mit drei Müttern verbracht. Alle in meinem Alter. Zwei waren das erste Mal nach der Geburt ohne ihre Kinder weiter als 500 Meter vom Haus entfernt. Ich war mir der historischen Bedeutung dieses Abends durchaus bewusst. „Du musst heute echt ganz tapfer sein“, sagte eine von ihnen zu mir, als wir untergehakt über den Asphalt stöckelten. „Als Kinderlose mit drei Müttern, das wird nicht leicht, du musst dir alles anhören“, ergänzte die andere und lachte. Ich grinste und sagte: „Mach ich total gern.“ Ich war froh, dass es dunkel war, niemand sah wie ich rot wurde und fügte in Gedanken hinzu: „Dann weiß ich wieder, warum ich keinen Nachwuchs habe.“ Ein wenig gehässig, aber sehr wahr. Beide Teile des Satzes. Zum einen höre ich mir von Freundinnen wirklich gern an, was sie beschäftigt – und bei einer jungen Mutter ist es nun mal das Kind, alles andere wäre bedenklich. Zum anderen wird mir dann aber auch immer wieder deutlich, warum ich keine Kinder haben möchte. Denn Sätze wie diese möchte ich nie sagen:

1. „Ich hoffe, Carsten (ihr Kerl) kommt klar. Der hat die Kleine noch nie ins Bett gebracht.“
Das Kind ist ein Jahr alt … Warum eigentlich nicht?

2. „Der Babysitter ist so engagiert, singt und erzählt die ganze Zeit. Diese Ruhe habe ich nie.“
Hat sie, aber sie ist kritischer mit sich als mit ihrer Umgebung.

3. „Nein, das ist total okay, dass Carsten nicht so viel im Haushalt macht. Er arbeitet ja so viel.“
Entschuldigung, dein Kind ist ein Vollzeit-Job. Er hat nur eine 40-Stunden-Woche.

4. „Ich müsste auch dringend mal wieder zum Friseur! Aber für wen denn?“
Für dich. Nur, weil du dich um dein Kind kümmerst, heißt es nicht, dass du dich vernachlässigen sollst.

5. „Ich würde so gern mal wieder sechs Stunden durchschlafen / in Ruhe duschen / allein aufs Klo gehen.“

6. „Sobald Carsten mal mit dem Kind eine Stunde allein ist, ist er hinterher total fertig.“
Übung macht den Meister, bloß nicht einknicken. Ist ein beliebtes Schema: Ich stelle mich so doof an, dass ich es nicht mehr machen muss. Aber: Er war nicht unmaßgeblich am Entstehungsprozess beteiligt, also steht er auch in der Pflicht.

7. „Im Geburtsvorbereitungskurs waren ja nur so Übermuttis.“
Sagt jede. Komischerweise gibt es dennoch mehr Glucken als entspannte Mütter.

8. „Oskar hat heute seinen ersten Schritt gemacht / das erste Mal ’nein‘ gesagt / seinen ersten Zahn bekommen.“

9. „Eigentlich wollte ich nur sechs Monate mit dem Job aussetzen, jetzt sind es schon 18.“

10. „Als Mutter einen passenden Job zu finden, ist nahezu unmöglich.“
Kinderbetreuung und Gleichberechtigung – zwei noch immer ungelöste Probleme in diesem Land. Auch wenn Vieles besser geworden ist.

11. „Ich weiß gar nicht, was dieses #regrettingmotherhood soll.“

12. „Für mich keinen Wein mehr, ich stille noch.“

13. „Ich muss jetzt echt los. Ich habe den Babysitter nur bis 22.30 Uhr.“
Und wenn du ehrlich bist, vermisst du deinen Lütten nach drei Stunden schon unendlich schlimm.

14. „Und bist du dir sicher, dass du keine Kinder willst?“
Ja.

15. „Warte mal ab bis der Richtige kommt, dann willst auch du Kinder.“

16. „Was hat das eigentlich mit diesem Tinder auf sich? Kannst du das mal zeigen?“
Ich hoffe, dass ihre Frage nur dazu dient, ihr Allgemeinwissen zu vergrößern.

17. „Das hört sich jetzt alles so anstrengend an, aber es hat auch seine schönen Seiten.“
Ganz bestimmt, man sieht sie als Außenstehender nur nicht auf den ersten Blick.

18. „Das muss dich ja fürchterlich langweilen, dass ich nur von meinen Kindern erzähle.“
Wie kommst du denn darauf?

19. „Also dieses #regrettingmotherhood hat ja schon einen Funken Wahrheit in sich. Man weiß ja vorher gar nicht, wie anstrengend es ist.“
Eben. Kann man ja so mal sagen.

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