Der „Mann mit Hut“ ist Geschichte. Nicht der aus der aktuellen aufregenden Zeitgeschichte. Der hat seinen Hut verkauft und wurde festgenommen. Sondern der aus meinem derzeit wenig aufregenden Liebesleben.

Es hat drei Anläufe gebraucht, bis er und ich den Schnitt realisiert und in die Tat umgesetzt haben. Beim ersten Mal hat er mich in Muskelshirt und mit Massagehänden überzeugen können. Ich war ein leichtes, nähebedürftiges Opfer.
Beim zweiten Mal hat er trotz Massage am Abend seinen Hut genommen, weil ich Ruhe und Raum brauchte.
Als wir uns abermals trafen, dachte ich eigentlich, dass die Fronten geklärt seien, meine Botschaft klar war, wir auf die Freundschaftsseite gewechselt hätten. Doch er wollte knutschen, unsere Zweisamkeit zeigen. Ich musste deutlich werden, bevor er mir lästig und ich ungehalten werden konnte. Es war kein schönes Ende – weder des Abends noch der Affäre. Ich fühlte mich, als sei ich gescheitert. Ich wusste, dass ich im weh tue und ich war traurig, weil er keinen freundschaftlichen Kontakt will.

Er nimmt seinen Hut

Er will mehr als eine Affäre, nicht weniger. Das akzeptiere ich und halte mich dran; denn ich weiß, dass nur ich den Kontakt unterdrücken kann. Er würde sich über ein Lebenszeichen freuen, sich aber auch gleich wieder Hoffnungen machen. Ab und an denke ich noch an ihn – so wie man an einen Bekannten denkt, wenn man eine Flasche Wein kauft, die man auch schon mal mit ihm getrunken hat. Oder an einem Restaurant vorbeifährt, in dem man mal gemeinsam essen war.

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Als ich vor ein paar Tage das Bad putze, schmiss ich seine Zahnbürste weg. Ich nahm auch die Karten, die er mir geschickt hatte, und verstaute sie in meinem Männer-Karton.

„Vielleicht hätte ich ihn nie anrufen sollen, nach dieser Silvesternacht“, sagte ich erst gestern zu einer Freundin. Das zufällige Treffen, die aufregende Nacht – sie hätten ihre Magie behalten. Der Zauber platzte im Alltag recht schnell, ließ sich nicht rüberretten. Die Leichtigkeit der ersten Tage verflog – schneller als das bei Verknalltheit sein sollte. Ich lernte ihn kennen, samt seiner Schwermut, seinem Gepäck, das wohl jeder mit sich rumschleppt. Das einen Menschen interessant macht, aber eine leichte Affäre unmöglich.

Aus dem Handy, aus dem Leben

An unserem letzten Abend vergingen lange Minuten bevor wir uns endlich trennten. Er bestand darauf, dass ich seine Telefonnummer lösche. Ich weigerte mich.
„Ich will dich nicht aus meinem Leben löschen, also lösche ich auch nicht deine Nummer.“
„Gib mir dein Handy, dann lösche ich sie.“
„Du hast sie mir auf einen Zettel geschrieben. Den habe ich noch. Lösch du doch meine. Ich schaffe das auch so, dich nicht anzurufen.“
Er wollte den symbolischen Akt und das Drama. Ich ließ ihn nicht. Es nervte mich nur – und bestätigte mich in meiner Entscheidung.

So hat die Anekdote einen faden Beigeschmack. Und ich fürchte, dass sie noch immer nicht ganz zu Ende ist. Wir trafen uns in der Silvesternacht, wir knutschten im Schneefall bei Vollmond, unsere Wege trennten sich im Regen kurz vor Vollmond. Er wollte mich beim nächsten an eben dieser Stelle wieder treffen, gucken, wie es mir und ihm ohne uns ergeht. Ich bin dann nicht in der Nähe. Also schlug er vor „in zwei Vollmonden“. Ich weiß nicht, ob ich hingehe. Ich fühle mich verpflichtet, aber genau das will ich ja nicht. Womöglich muss ich ihn kurz enttäuschen und stehen lassen, um ihm nicht langfristig wehzutun.

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Das Buch der Singlefrau „Mein Bett ist halbvoll“ erscheint am 2. Mai im Knaur Verlag, 12,99 Euro.