Es gibt sie, diese Tage, an denen einfach nichts läuft und alles scheiße ist. Da kippt morgens der Filter von der Kaffeekanne und die ganze Plörre ergießt sich über Arbeitsfläche, Fußboden und natürlich auch in die Schubladen. Da regnet es seit fünf Stunden Bindfäden, meine Pläne ersaufen, wie schon so oft in diesem Frühjahr, im Regen. Meine Spotify-Liste „Sommerlaune trotz Regenwetter“ kenne ich schon auswendig, obwohl sie mittlerweile 83 Titel umfasst.

Es wäre der perfekte Tag, um im Bett zu bleiben. Und wenn dieser Gedanke aufkommt, ist der inneren Stimme Tür und Tor geöffnet. „Tja, mit wem denn?“ Oh, sie ist gehässig. Aber sie hat ja Recht. Es ist schon ein paar Wochen her, dass ich die Nacht nicht allein verbracht habe – und da bin ich nach zwei Stunden aus seinem Bett geflüchtet.

Flirten und freundlich sein? Nicht jetzt

Und wenn ich an diesem Punkt bin, verselbstständigen sich die Gedanken. Selbst schuld, sagte ein Freund neulich zu mir: „Wenn du wolltest, könntest du jedes Wochenende einen anderen Mann neben dir aufwachen sehen.“ Nicht, weil ich so ein heißes Geschoss sei. Natürlich sei ich attraktiv. „Aber für euch Frauen ist es so einfach, ihr müsst nur sagen, dass ihr ficken wollt und schon habt ihr die Auswahl.“ Ich glaube, er unterschätzt da die Würde seiner Geschlechtsgenossen. Außerdem hab ich derzeit weder Lust auf One-Night-Stands noch Gelegenheit dazu. Denn dazu muss man ausgehen, flirten, freundlich sein. Die vergangenen potenziellen Ausgehabende habe ich mit Fußball gucken, kochen und Wein trinken in weiblicher Gesellschaft verbracht.

Verläuft das Singleleben eigentlich auch in Phasen? Wenn ja, ist es gerade diese: grundsätzlich zufrieden, aber mit Teilen der Gesamtsituation unzufrieden.

Und wenn ich mich mal am Grau des Himmels so richtig satt gesehen habe, feiert meine innere Stimme eine Party:

• Es gibt eh keine Kerle mehr. Entweder sie sind vergeben oder es gibt einen guten Grund, warum sie allein sind.

„Es muss ja schließlich auch einen Grund haben, warum du noch allein bist.“ Wie kann ich diese Stimme zum Schweigen bringen?

• Die Typen, die sich für mich interessieren, interessieren mich nicht. Ich müsste nur eine SMS schreiben und der Mann mit Hut stünde wieder vor meiner Tür. Und dann ist da noch dieser Nette aus dem Fitnessstudio, der mir für einen Sportkumpel ein paar zu viele Whatsapps schreibt. Doch beide finde ich aus unterschiedlichen Gründen nicht attraktiv.

„Wenn du auch so wählerisch bist“, nörgelt meine innere Stimme. Sie imitiert meine Mutter erstaunlich gut.

• Aber wenn mir jetzt gerade mal jemand den Nacken massieren könnte, wäre der Tag schon nicht mehr so trist und grau.

„Hier liegt der Flyer vom thailändischen Massagesalon.“ Ach, sie ist so gut zu mir, die Stimme in meinem Kopf.

• Meine Nachbarin hat mir das Kaffee-Date abgesagt, ihr Mann ist überraschend doch zu Hause und mal nicht auf Dienstreise. Freundin Nele ist zurzeit bei ihrem Freund, Fernbeziehung, außerdem ist es kompliziert. Freundin Lena hat einen neuen Lover, womöglich auch zwei, auf jeden Fall hat sie gerade keine Augen und Ohren für jemanden anderen. Und Kerstin kann ich nur noch mit ihrem Kerl treffen. Aber ein Treffen zu dritt, ach nööö.

„Sagtest du nicht neulich, dass Singles so viel sozialer seien, weil sie mehr machen und häufiger weggehen?“, fragt meine innere Stimme mit einem hämischen Unterton und schlägt dann vor: „Ruf doch Nico und Beate an, die hatten dich doch eh mal auf ein Essen eingeladen.“  Damit ich mir dann einen Abend lang „Schatzi und Schatz“ angucken kann und ständig höre „wir haben …“, „uns gefällt …“, „wir sind der Ansicht …“? Nö, keine Lust.

• In den Urlaub will auch niemand mit mir fahren. Entweder keine Zeit oder kein Geld oder es ist die falsche Zeit oder sie fahren eh nur mit ihrem Freund.

„Entschuldigung, darf ich dich daran erinnern, dass du das Alleinreisen als die einzig mögliche Variante ansiehst? Oder soll ich sagen ‚angesehen hast‘?“

• Weißt du was, du dämliche innere Stimme, ich back mir jetzt den Frühling – Mehl, Eier, Zucker, Rhabarber und Erdbeeren.

„Und wer soll den essen?“ Na, ich. „Allein?“ Ja, allein. „Mit ein paar Kilo mehr auf der Hüfte wird die Männersuche nicht gerade leichter.“ Jetzt weiß ich auch nicht mehr, wer hier das größere Arschloch ist – das Singleleben oder meine innere Stimme.

Dabei ist es doch so: Diese Tage gibt es einfach – in jedem Leben. Egal ob Single, Mutter, Großvater oder Teenager. Das ist jetzt nur ein winziger Trost, aber es ist einer. Und den Regen könnte auch ein Kerl nicht abstellen.