Lena und ich stehen im Gedränge eines Straßenfestes. Wir lassen unsere Blicke schweifen. Nicht auf der Suche nach Männern, sondern auf der Suche nach Essen. „Wollen wir da drüben pulled pork holen?“, fragt sie.
„Nee, da ist die Schlange doch so lang“, entgegne ich.
„Aber das ist doch überall so.“ Wir sind beide grummelig, weil hungrig. „Und ich brauche auch noch was zu trinken“, sagt Lena.
„Ja, aber bitte eine Schorle. Das erste Alster wirkt schon.“
Unsere Lagebesprechung durchbricht eine Stimme: „Ähm, hallo, steht ihr hier an?“

Lena und ich drehen den Kopf in die gleiche Richtung und gucken beide bestimmt ziemlich entgeistert. Wie kommt der Typ dazu, uns hier in dieser brenzligen Situation zu stören?!
„Äh, nein, wir überlegen gerade, wo wir uns anstellen“, sagt Lena. Wir stehen wirklich sichtbar weit weg von jeder Schlange. Und damit ist offensichtlich, was der junge Mann wollte: einen ersten Schritt machen.

Lena und ich stehen im Gedränge eines Straßenfestes. Wir lassen unsere Blicke schweifen. Nicht auf der Suche nach Männern, sondern auf der Suche nach Essen. „Wollen wir da drüben pulled pork holen?“, fragt sie.
„Nee, da ist die Schlange doch so lang“, entgegne ich.
„Aber das ist doch überall so.“ Wir sind beide grummelig, weil hungrig. „Und ich brauche auch noch was zu trinken“, sagt Lena.
„Ja, aber bitte eine Schorle. Das erste Alster wirkt schon.“
Unsere Lagebesprechung durchbricht eine Stimme: „Ähm, hallo, steht ihr hier an?“

Lena und ich drehen den Kopf in die gleiche Richtung und gucken beide bestimmt ziemlich entgeistert. Wie kommt der Typ dazu, uns hier in dieser brenzligen Situation zu stören?!
„Äh, nein, wir überlegen gerade, wo wir uns anstellen“, sagt Lena. Wir stehen wirklich sichtbar weit weg von jeder Schlange. Und damit ist offensichtlich, was der junge Mann wollte: einen ersten Schritt machen.

„Seid ihr öfter hier?“

Der ist leider gründlich daneben gegangen. Noch nicht mal auf Grund der Wortwahl. Es ist einfach der falsche Zeitpunkt für uns, weil hungrig und nicht zu Scherzen aufgelegt. Es ist der falsche Mann für uns Frauen, das ist auf den ersten Blick klar. Und er merkt es, lässt aber nicht locker und legt nach: „Ganz schön heiß heute, ne?“ Ich glaube, er merkt selbst, dass es unbeholfen wirkt und zum Scheitern verurteilt ist.

Ein „Mmmmhhh“ gefolgt von einem neutralen, nicht zu aufmunternden Lächeln ist in diesen Situationen wohl die beste Reaktion. Man will ja niemanden vor den Kopf stoßen, außerdem soll Mut belohnt werden.

Schüchtern, wenn es ernst wird

Ich bring den nämlich viel zu selten auf. Egal wo ich bin, in der Bahn, in der Bar, im Supermarkt – ich sehe Männer, die mir optisch gefallen. Meistens denke ich nur: „Uhhh, nice.“ Maximal raune ich meiner Begleitung ein „Guck mal, der da drüben“ zu. Und dann – wegducken, vielleicht mal unter dem nicht vorhandenen Pony hervorluken, aber zum Lächeln reicht es oft nicht mehr. Dabei bin ich eigentlich nicht schüchtern. Und wenn ich nicht vorher schon gedacht habe „Au weia, ist der hot“, fällt mir ein lockerer Spruch nach dem nächsten ein.

Neulich erst war ich abends allein im Biergarten, umgeben von Paaren und solchen, die es werden wollten. Aber ich war ganz zufrieden mit den schweigsamen Stunden, hatte ich doch den gesamten Tag gesabbelt. Und als ich auf dem Weg zum Ausgang mein Glas zurückgab, saß neben der Bar dieser Typ. Mein Typ, wie aus dem Bilderbuch. Leider guckte er nicht in der Gegend rum, sondern auf sein Handy, und auch sein Hund gab mir keinen Anlass, um etwas zu sagen.

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Ich ratterte innerlich rasch sämtliche Mantra-Memos für den ersten Schritt runter:

Vielleicht wartet er ja auch auf deinen ersten Schritt.
• Es kann ja nichts passieren, außer ein „nein“.
• Es wird nicht weh tun.
• Beim nächsten Mal wird’s noch leichter.
• Es steigert dein Selbstbewusstsein.
• Es geht ja um nichts.
• Den siehst du sonst nie wieder.
• Und: Den siehst du eh nicht wieder, wenn es schiefgeht.
• Du bereust es später.

Mehr fielen mir auf die Schnelle nicht ein. Aber ich stand immer noch da und starrte. Bevor es alle anderen außer ihm bemerkten, drehte ich mich um und ging zum Ausgang. Gesehen habe ich ihn seitdem wirklich nicht mehr. Könnte aber noch sagen, was er auf seinen Unterarm tätowiert hatte.

Einfach mal machen

Der Typ vom Stadtfest wird Lena und mich längst nicht mehr im Gedächtnis haben, denn ihn haben wir stehengelassen. Mit einem gemurmelten „Wir müssen dann mal was zu essen kaufen“ haben wir uns ins Gewusel verabschiedet. „Als Nächstes hätte er gefragt, ob wir häufiger hierher kommen“, sage ich.
„Ja, ein komischer Vogel“, sagt Lena. „Aber andererseits ganz cool. Einfach mal machen.“
„Vielleicht waren wir ja auch nur Versuchskaninchen, damit er sich selbst beweist, dass nichts passiert bei einem Nein.“ „Na dann, ran an den nächsten Kerl“, ermuntert mich Lena.
„Du weißt nie, ob er hungrig ist.“