Klack. Klack. Klack. Der Ton, den meine Absätze auf dem Asphalt auslösen, ist heller als der von Winterstiefeln. Die Altbaufassaden werfen den Schall zurück in die enge Straßenschlucht. Endlich ist Sommer. Und mit der Wärme, der Sonne, verändert sich auch der Blick der Männer.

Es ist still. Und spät. Kaum ein Auto fährt. Ich bin es, die laut ist. Klack. Klack. Klack. Ich stöckele strammen Schrittes die Straße entlang. Mein Ziel ist klar: nach Hause. Es ist später geworden. Zu spät. Aber wir saßen so gut unter der riesigen Linde, der Abend war so lau, der Wein so kühl, die italienischen Kellner waren so charmant wie italienische Kellner zu drei Frauen laut Bilderbuch sein sollen. Nicht anzüglich, aber umgarnend, nicht aufdringlich, aber zuvorkommend.

Mein Kleid ist kurz, sein Blick wandert an mir hoch

In einem dunklen Hauseingang hockt ein Typ, schaut auf, als er meine Schritte hört. Erst auf meine Beine, dann auf die Füße, dann ins Gesicht. Eine Straßenlaterne erhellt die Szenerie. Ich versuche, ihn nicht zu beachten und doch merke ich, wie sein Blick wandert und auf mir bleibt, als ich ihn passiere. Mein Kleid ist kurz. Die Beine nicht grazil, sondern muskulös. Ich schmunzle, ob er sich wundert über die komische Kombi aus Sommerkleidchen, Stöckelschuh und Sportrucksack? Oder guckt er mir einfach nur auf den Hintern?

Auf der anderen Straßenseite verstummt ein Gespräch vor einer Kneipe. Drei Männer rauchen zum Bier. Meine eiligen Schritte haben sie unterbrochen. Sie drehen ihre Köpfe, gucken in meine Richtung. Schweigen. Sie verfolgen mich vermutlich mit ihren Blicken. Nicht unangenehm, nur irritierend, denn im Dunkel der Nacht können sie ohnehin nichts erkennen. Es ist nur der akustische Reiz, der ihre Aufmerksamkeit auf mich lenkt. Es ist ein Geräusch, das Beine und Rock verheißt. Es ist ein Sommerblick. Im Winter hätten sie mich nicht wahrgenommen.

So weit, so gut, so normal. Bei der dritten Begegnung auf den wenigen Metern passiert das, was so häufig im Sommer geschieht: ein Pfiff, durch die Zähne hindurch, anerkennend in der Tonlage, verachtend in der Grundaussage. Fünf Schritte steht der Kerl schon hinter mir. Jetzt traut er es sich also. Gehe ich unbeirrt weiter? Drehe ich mich um? Lass ich Dampf ab? Was glaubt er eigentlich, was er für ein toller Hecht ist? Nur, weil er ein Mann ist! Würde ich Jeans und T-Shirt tragen, wäre ich unsichtbar für ihn.

Frauen pfeifen nicht

Am liebsten würde ich ihm entgegenschleudern: „Was pfeifst du, du Pfeife?“ Eben war ich noch entspannt und sehr zufrieden mit diesem Abend. Jetzt fühle ich mich schräg von hinten angemacht. Würde ich einem Kerl hinterherrufen? Nur weil er in Shorts und Muskelshirt an mir vorbeiflaniert? Mit Sicherheit nicht. Vielleicht würde ich gucken, anerkennend, interessiert, bewundernd. Natürlich gucken wir Mädels auch, aber wir müssen das nicht verbal absondern.

Der Pfiff erniedrigt, anstatt zu erhöhen. Er zeigt mir: Ich bin in der Lage, dich zu bewerten. Ich entscheide hier, was bewundernswert ist. Es glaubt hoffentlich nicht eine Pfeife, dass sich eine Frau über diese machohafte Äußerung freut. Es ist kein Kompliment, sondern eine Belästigung. Es regt auf, anstatt zu erfreuen. Oder kennt jemand jemanden, der aufgrund eines Pfiffes sagte: „Oh, wie toll, dass du begeistert bist, lass uns einen Kaffee trinken gehen.“

Nur – wie antwortet man darauf? Lamentieren, diskutieren, schimpfen? Es ist wohl vergebliche Liebesmüh. Also: ignorieren, die Sache nicht größer machen als sie ist, dem Idioten das Feld überlassen. An diesem Abend drehe ich mich nicht um, sage ich nichts, atme dreimal tief durch und setze unbeirrt meinen Weg fort. Es ist zu dunkel, als dass irgendjemand die Wut in meinem Gesicht erkennen könnte. Gedankenlesen kann dieser Typ ganz bestimmt nicht. Ich tue so, als hätte ich nichts gehört. Aber die Szene nervt mich. Sie verdirbt mir nicht den Abend, aber sie betrübt mich. Wallegewänder und Turnschuhe sind keine Alternative. Warum sollte ich mich verstecken? Nicht ich bin das Problem, sondern die Herren, die mit der Attraktivität der Frauen – oder manchmal auch ihrer bloßen Anwesenheit – nicht umgehen können und mit ihrem Pfiff signalisieren „ich habe hier die Hosen an – und du den Rock“.