Drei Tage warten bis man sich nach dem Date wieder meldet? Der ungeduldigen Singlefrau gefallen diese und andere Dating-Regeln überhaupt nicht. Kann man nicht einfach darauf verzichten?

Ich tigere seit einer Stunde durch die Wohnung, hab schon 23 Mal eine Whatsapp angefangen und 24 Mal die Zeilen wieder gelöscht. Schreib ich ihm, dass der gestrige Abend schön war? Es wäre nichts Neues. Wir haben das beide diverse Mal gesagt, bevor wir uns verabschiedet haben.

Ich warte auf ein Zeichen von ihm, dass wir uns wiedersehen. Wartet er auf eins von mir? Wer sich als erstes bewegt, verliert? Oder gewinnt? Warum denke ich da gerade so viel drüber nach? Warum kann ich nicht einfach machen? Ich fühle mich wie ein Teenie.

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Statt dem Mann zu schreiben, mit dem ich mich gestern Abend getroffen habe, schreibe ich Freunden. Und wie das dann ist: Drei Freunde, vier Ratschläge. Jeder beurteilt Geschildertes aus seiner Perspektive.

„Schreib ihm doch, wenn dir danach ist. Wenn er davon genervt ist, ist er eh nichts für ein weiteres Date“, rät die Single-Freundin.

„Bloß nicht, heute nicht und morgen nicht gleich“, sagte der gute Freund.

„Immer dran denken: Erst nach dem dritten Tag melden“, sagte eine Freundin, die stur auf die Dating-Regeln pocht und der festen Überzeugung ist, dass nur deren Beachtung sie und ihren Freund dereinst zusammengebracht hat.

„Diese Dating-Regeln sind doch totaler Quatsch“, platzt es aus mir raus. „Ich hab mich da noch nie dran gehalten.“

„Tja, denk mal drüber nach.“

Sollte das der Grund sein, warum ich seit vier Jahren Single bin? Nee, nun wirklich nicht. In den vergangenen Monaten gab es jetzt nicht so viele Situationen, in denen ich befürchtete, durch einen unbedachten Gefühlsausbruch etwas zerstören zu können. Was im Grunde absurd ist; denn wenn es auf Gegenliebe stößt, ist kein Halbsatz zu viel. Und für Spielchen hab ich weder Zeit noch Nerven.

Aber warum gibt es dann Dutzende Ratgeber, die auf die Einhaltung der Dating-Regeln pochen? Die sind doch vollkommener Quatsch!

Der Mann bestimmt das Tempo

Dating-Regeln schlagen Gleichberechtigung. Die Frau bringt mehr Geld nach Hause, fährt das dickere Auto und wechselt die Reifen natürlich selbst. Dennoch will der Mann angeblich das Gefühl bekommen, dass er das Zepter in der Hand hat. Tief in seinem Inneren ist er noch der Höhlenbewohner, der jagen will. Womit die Frau zur Beute degradiert wird. Tut mir leid Jungs, das geht echt zu weit. Wer in der Kennlernphase nicht damit klarkommt, dass die Frau den ersten Schritt macht, wenn es um die Abendgestaltung geht, hätte später ein hartes Leben.

Kein Sex beim ersten Date

Langweilig! Beim ersten Date kann keiner von beiden wissen, was sich entwickelt. Bleibt es bei diesem einen Mal, trifft man sich ein paar Mal, wird man irgendwann vor einem Standesbeamten sitzen. Gut möglich, dass sich aus einer Bettgeschichte mehr entwickelt. Ebenso denkbar, dass der lang angehimmelte Typ im Gespräch sich als kompletter Vollpfosten herausstellt. Also, einfach das tun, wonach beiden ist. Wir leben nicht mehr in einer Zeit, in der Sex ein rares Gut ist, das man nur für den einen reservieren sollte.


Das dritte Date ist alles entscheidend

Kürzlich traf ich einen Typen zum dritten Mal. Bis zu dem Date hatten wir nur geknutscht. Es waren durchaus schöne Stunden, aber kein Funkenflug. „Na, dann läuft ja heute was“, sagte eine Freundin zu mir.

„Woher weißt du das?“, fragte ich sie.

„Das dritte Date entscheidet“, entgegnete sie. „Da sollte etwas mehr als nur knutschen laufen, nicht früher, aber auch nicht viel später.“

An diesem Abend war mir aber nicht nach mehr. Ich wollte allein nach Hause. Ich glaub, ich hatte Angst, dass er diese Dating-Regel kennt und ich aus der Nummer nicht mehr rauskomme.
Willst du gelten, mach dich selten

Okay, okay, an der Regel ist was dran. Wenn jemand in einer Tour schreibt, mich jeden Abend sehen will, bin ich eher genervt. Ich habe bislang auf niemanden gewartet, in meinen Tagen sind keine Lücken, die gefüllt werden müssen. Wie soll ich herausfinden, ob ich jemanden vermisse, wenn er immer präsent ist. Ein bisschen Ruhe, ein bisschen Abstand tut beiden gut. Wie viel es davon sein darf, muss jeder selbst herausfinden.

Keine Dates am Freitag oder Samstag

„Wenn er dich Samstagmorgen fragt, ob du am Abend Zeit hast, sag auf jeden Fall ab“, riet mir kürzlich eine Freundin.

„Auch wenn ich nur einen Sofaabend plane?“

„Ja, auch dann. Ist schließlich selten genug, dass du einen Abend allein hast. Also, warum so einfach aufgeben? Und schließlich bist du so busy, dass du an dem Samstagabend schon drei Partyanfragen hast.“

Hm, da ist was drin. Aber in dem konkreten Fall erschien mir ein Abend zu zweit einfach schöner, sodass ich ohne lange zu überlegen zugesagt habe, als er fragte. Termine vortäuschen ist mein Ding nicht.

Der Mann zahlt beim Date

Ebenso antiquiert wie die Aussage, dass der Mann den ersten Schritt machen muss. Wer gleichberechtigt leben will, muss auch gleichberechtigt den Pflichten nachkommen – und dazu gehört eben auch eine Rechnung im Restaurant begleichen zu können. Mal er, mal sie – so wie mit allen anderen Dingen im Leben. Auf ein Kaltgetränk oder einen Kaffee lasse ich mich ohne Widerspruch einladen. Bei einem Drei-Gänge-Menü hätte ich diese Erwartung nie und nimmer. Und andererseits muss er es aushalten, dass ich die Rechnung für beide begleichen kann und will.

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Manchmal sind selbst sechs Tage zu wenig. Und manchmal helfen auch 144 Stunden Wartezeit nicht. An einem der letzten warmen Sommertage saß ich mit einem Typen Arm in Arm auf einer Mauer, die Beine baumelten, wir blickten auf die Lichter der Stadt. Um uns herum Paare, die wenig redeten und viel knutschten. Nach einem langen Blick in den Sternenhimmel knutschten auch wir. Es war ein schöner Abend, ich genoss die Küsse und das Kribbeln. Aber als der Typ mir seinen Plan für den kommenden Tag präsentierte, in den auch ich schon eingebaut war, bekam ich Panik. Denn ich hatte andere Pläne, fühlte mich sofort eingeengt. Es war nett gemeint, meine Reaktion zu stark, aber in dem Moment wusste ich, dass sich nichts entwickeln würde. Obwohl er sechs Tag bis zum nächsten Kontakt wartete, damit ich mich wieder beruhigen konnte, hatte ich nie wieder das Bedürfnis ihn zu sehen.