Valentinstag ist vollkommen überflüssig. So wie Mutter- und Vatertag. Über letzteren würde ich mit mir reden lassen, schließlich kann man da mit dem Bollerwagen durch den Wald ziehen, Schnaps trinken und den Frühling genießen. Aber den 14. Februar als Tag der Liebe auszurufen, ist zwar nicht vollkommen willkürlich geschehen, aber mit Sicherheit nicht aus reiner Nächstenliebe, sondern von Floristen und Schokoladenfabrikanten getrieben.

Valentinstag war mir schon immer schnuppe, egal ob Single oder in Beziehung. Ich würde mich weder gegen Blumen noch Schokolade noch Küsse wehren, aber doch bitte nicht, weil es im Kalender steht. Gut, bei meinem letzten Freund wäre es schön gewesen, wenn er zumindest einmal im Jahr Blumen geschenkt hätte. Er kam im Schnitt auf ein Mal in sieben Jahren. Aber das ist eine andere Geschichte …

In den USA und Großbritannien dreht die Industrie noch viel mehr durch als hierzulande. „Im Supermarkt gibt es ein ganzes Regal mit Valentinszeug. Wer bitte geht denn zu ‚Sainsbury’s‘ und kauft seiner Liebsten eine Karte und ein Kuscheltier?“, erzählte mir eine Freundin vor ein paar Tagen. Ja, wer eigentlich?

Wer nicht gleichgültig mit der Schulter zucken kann und dieser Tage beim Anblick der Rosensträuße und Schokoladentürme an den Rande eines Heulkrampfes gelangt, muss gegensteuern:

1. Sich selbst Blumen ins Büro schicken lassen. Erstaunt gucken, etwas von einem heimlichen Verehrer murmeln und den Rest des Tages vor sich hin summen. (Muss schon Freitag passieren, da der 14. in diesem Jahr auf einen Samstag fällt.)
2. Wer sich nicht selbst beschenken möchte – der besten Freundin, dem Bruder, dem Kumpel, der Mutter eine Freunde machen. Es müssen ja nicht immer Blumen sein.
3. Essen gehen, allein, sich das Valentinstagsmenü odern, doppelt und „Dinner for one“ nachspielen.
4. Termin für eine Paarmassage buchen, allein kommen und sich dann doppelt so lange massieren lassen oder von vier Händen.
5. Jeden, der meint, er müsse mit seinen Valentinstagsgeschenken und – plänen hausieren gehen, fragen, warum der Tag denn so heißt.
6. Mit einer „Femen“-Gruppe in „Fifty Shades of Grey“ gehen und bei jeder Sexsehne laut johlen.
7. Zur Feier des Tages neues Sexspielzeug kaufen.
8. Es sich auf dem Sofa so richtig gemütlich machen: Jogginghose, Chips, Schokolade, Bier und Likörchen, die beste Freundin einladen – und dann alle Liebesschnulzen gucken, die Netflix zu bieten hat. Und kein einziges Mal heulen!
9. Einen Flashmob organisieren: nur für Frauen, Treffpunkt ist das örtliche Kaufhaus, acapella „All the Singleladies“ von Beyoncé trällern und rhythmisch das Becken kreisen lassen.
10. Wenn Nummer 9 gut geklappt hat – Bewerbung für die nächste Staffel „Bachelor“ fertig machen.
11. Auf Spotify eine Liste mit Liedern über Liebeskummer zusammenstellen und auf „shuffle“ stellen.
12. Pärchen auf ihren verliebten Selfies fotobomben.
13. Eine Singleparty veranstalten, mit Flaschendrehen, Engtanz und „La Boum“ in Endlosschleife.
14. Liebesschlösser an einem Brückengeländer knacken, sagen man komme von der Stadtverwaltung und die Brücke sei einsturzgefährdet. Die Last der Liebe und so.

Und wie verbringt ihr den Valentinstag? Ignorieren? Trübsal blasen? Mit der besten Freundin?