Ich lehne in der Terrassentür und blicke in den Garten. Sandkasten, Bierzeltgarnitur, Grill. Die Hecke hoch genug, um dem Nachbarn nicht auf den Teller zu gucken. Die Rasenfläche für Stadtrandlage riesig. Kinder gießen mehr sich als Blumen, backen Kuchen aus Sand. Ich schaue auf dieses Idyll – und fühle mich außen vor. Nicht, weil mich irgendjemand ausgegrenzt hat. Auch bin ich nicht der einzige Single. Aber heute ist einer dieser Tage … Ein paar Kleinigkeiten laufen schief, hier und da ein Rückschlag, nicht weltbewegend und nicht schlimm. Jammern auf hohem Niveau. Wer hat das nicht – egal, ob Single oder Großvater. Doch jetzt, in diesem Moment, nervt es kolossal. Und da ist plötzlich dieser Kommentar, den ich schon so häufig hier gelesen habe, in meinem Kopf: „Irgendwann bist du alleiniger Single in deinem Freundeskreis und fühlst dich einsam.“

Ich versuche, den Satz wegzuschieben. Doch er hält sich hartnäckig. Stimmt ja auch, wenn ich mich so umschaue – Paare, die lange zusammen sind, ein frisch verheiratetes, ein frisch verliebtes, die Kinder, ach, schon so groß geworden. Zwei Mädels außer mir sind allein gekommen. Ein männlicher Single sitzt in der Runde – mein Ex. Hm. Er wird mir später sagen, dass man diese Tage manchmal hat, wird mich drücken und bevor er mir in die Wange kneift, werde ich ihn allerliebst anpflaumen, dass er mir jetzt bloß nicht in die Wange kneifen soll. Wir werden beide lachen.

Außenposten für Singles

Aber gerade jetzt so eben ist mir nicht zum Lachen zu mute. Es irritiert mich, dass mich diese Situation so bedrückt. Warum denn nur? Weder verspüre ich einen Kinderwunsch. Und nein, nein, ich verdränge hier bestimmt nichts. Vor mir toben drei goldige Kinder, aber unbeholfener als ihnen gegenüber komme ich mir selten vor. Noch sehne ich mich nach einer festen, engen Beziehung. Gleich werde ich mit einer der beiden Single-Freundinnen auf der Bank etwas abseits Platz nehmen und auf unserem Außenposten wird sie mir von ihrem Rucksack-Urlaub erzählen, allein und mit allen Freiheiten. Wir bestätigen uns in unserem Singleleben, so wie sich Mütter gegenseitig in ihren Rollen bestärken.

Und dennoch: Dieses frisch verliebte Grinsen der einen Freundin – das würde mir auch mal wieder gut stehen. Sie sagte vorhin was von Wolke sieben, mir würden noch Rosarot und Schmetterlinge einfallen. Im Rosamunde-Pilcher-Film würde jetzt erst ein Schmetterling vorbeiflattern (flappflapp) und kurz darauf der adrett-charmante Nachbar (natürlich Single, vermeintlich frisch geschieden) über den Gartenzaun springen. Aber hier, in der Reihenhaussiedlung am Ende der Stadt, wohnen keine Singles, auch keine frisch geschiedenen. Und wenn, können sie nicht mehr über den Gartenzaun springen.

Frischfleisch für die Singlefrau

Ein Freund geht an mir vorbei ins Haus. „Graue Haare hast du bekommen. Hast du Stress?“ Autsch, das saß. Fassung wahren, tief durchatmen, nicht rumblaffen. „Hat nichts mit Stress zu tun, ist genetische Veranlagung“, sage ich so freundlich wie möglich und bewege mich in Richtung Grill. „Ich mag deine kurzen Haare“, ruft er mir noch hinterher. Wenigstens etwas.

„Ah, unsere Singlefrau auf der Suche nach Frischfleisch“, werde ich am Grill begrüßt. „Eine vertrocknete Dattel im Speckmantel und ein Stück Lachs wären mir lieber“, entgegne ich. Die trübsalblasende Singlefrau kennt man hier nicht. Ich bin ja auch nicht krank und benötige keine Sonderbehandlung, nur weil ich überall solo auftauche. Wäre die Lage wirklich ernst, ich hätte genug Ohren, die mir zuhören würden, egal ob Mutter, Vater oder frisch verliebte Freundin. Einsam? Mit diesen Freunden? Im Leben nicht!