Vor ungefähr vier Jahren hat sich die Singlefrau getrennt. Nach wie vor ist sie allein ziemlich glücklich. Aber es gibt Momente, da merkt sie selbst, dass sie zu lange Single ist.

Die Salatschüssel vor mir strotzt nur so vor Frische. Auf Instagram wäre sie ein Hit für alle #cleaneater. Salatkopf, knackige Tomaten, Gurke und Radieschen vom Nachbarn, Schafskäse und Oliven, dazu ein Eins-a-Dressing. Ich freue mich auf das Abendessen auf dem gerade-noch-so-eben sonnigen Balkon. Als ich einen Teller aus dem Schrank nehmen will, stocke ich. „Wozu eigentlich? Ich kann doch genau so direkt aus der Schüssel essen!“ Es isst niemand mit, mich sieht niemand. Und es reicht auch eine Gabel, spart alles Abwasch.

Als ich auf dem Balkon sitze und den Salat in mich reinschaufle, denke ich darüber nach, wie sich mein Essverhalten geändert hat, seitdem ich allein wohne. Immerhin hat kein Pizzabote dieser Stadt meine Nummer. Ich koche gern, auch für mich allein. Ich backe auch sonntagmorgens Brötchen, selbst wenn ich allein aufwache. Und bislang habe ich mir auch meistens hübsch den Tisch gedeckt. Doch bald esse ich jede Mahlzeit als Fingerfood, auch Risotto mit Pfifferlingen.

Singles leiden unter Kontrollverlust

„Es fehlt die soziale Kontrolle, wenn man zu lange Single ist“, diagnostizierte eine Freundin kürzlich. Sie hat vermutlich gar nicht so Unrecht. Es gibt so einiges, was darauf hinweist, dass ich gerade dabei bin, die Kontrolle über mein Leben zu verlieren:

Schweigen – Mittlerweile eine meiner Lieblingstätigkeiten am Sonntag. Manchmal ist mir auch Musik zu viel. Ich muss nicht reden. Ich muss nicht zuhören. Das kann ziemlich herrlich sein, finde ich nach einigen Jahren als Single. Für die meisten Menschen wohl ein Graus.

Meine Unterwäsche – Es ist mehr als 15 Monate her, dass ich mir neue Unterwäsche gekauft habe. Die Schlüpper von H&M zählen nicht und den schwarzen Stofffetzen, den mir ein Liebhaber vergangenes Jahr in einem Sexshop gekauft hat, hab ich zum Fahrradputzen verwendet.

Überhaupt das Aussehen – Es gibt Tage, da habe ich das Gefühl, jeder, der mir auf der Straße entgegenkommt, starrt mich an. Ich gucke dann prüfend an mir runter: T-Shirt zu kurz? Ausschnitt zu tief? Reißverschluss offen? Wenn alles okay ist, aber weiter geglotzt wird, gehe ich ins nächste Café, direkt auf die Toilette. Zahnpasta am Mundwinkel? Mascara verschmiert? Mich guckt ja niemand an bevor ich aus dem Haus gehe. Keine Kontrolle eben!

Nur für den Fall ich sollte mal ohne Schlüssel aus dem Haus gehen, habe ich Ersatzschlüssel strategisch günstig über die Stadt verteilt. In der Firma ist hinterlegt, wen man im Notfall anrufen sollte, denn da würde es wohl als erstes auffallen, wenn mir irgendwas passiert. Und wen ruft man im Notfall an? Wer wird in den Lebensversicherungen begünstigt? Die Eltern. Die Geschwister. Eine gute Freundin, auch wenn sie weit weg ist. Als ich frisch Single war, hat mich das den ein oder anderen Heulkrampf gekostet, jetzt ist es mir nicht mal mehr ein Achselzucken wert.

Man macht es diesen Sommer selten, aber wenn ich Sonnencreme auftrage, kann ich das ganz gut allein: Ich bin mittlerweile extrem gelenkig geworden und komme an jede Stelle auf meinem Rücken, um dort Sonnencreme zu verteilen. Gleiches gilt für Kleider oder Blusen, die ihren Reißverschluss auf dem Rücken haben. Auf die Technik kommt es an. Ich kann ja nicht jedes Mal zum Nachbarn rübergehen.

Apropos Nachbar – ich bin schon so sehr an mein selbstbestimmtes Einsiedlerleben gewohnt, dass mich spontane Einladungen total stressen. Freitagmorgens steht mein Plan für das komplette Wochenende. Vom Einkaufen auf dem Markt übers Badputzen bis hin zum Flat White im Café an der Ecke ist alles durchgeplant. Neulich stand samstagmittags besagter Nachbar vor der Tür. „Wir grillen heute Abend im Garten. Bist du dabei?“ Es waren noch mehr als sechs Stunden Zeit, aber es setzte mich komplett unter Druck, dass ich zu einem bestimmten Zeitpunkt mit allen anderen To-do’s fertig sein musste. War ja total lieb gemeint und es wurde dann ein wunderschöner, lauer Sommerabend, ohne jeglichen Stress. Aber wenn schon so eine Einladung mich unter Druck setzt, was würde eine Beziehung mit mir machen?

Mein Bett gehört mir

Meins, meins, meins – Wenn ich koche, dann koche ich meist für zwei oder drei Personen. Nicht, weil ich denke, es kommt noch jemand spontan vorbei. (Na gut, vielleicht schwingt diese Hoffnung doch immer auch ein wenig mit). Sondern weil ich dann noch gerüstet bin für überraschend eintretende Feiertage (sind ungefähr drei im Jahr), Kantinentage mit langweiliger Karte (sind ungefähr drei pro Woche) und Bärenhunger (tritt sehr häufig auf). Dass ich irgendwann nicht nur Bett und Tisch, sondern auch noch mein Essen wieder teilen soll – unvorstellbar.

Bett ist auch so ein gutes Stichwort – Die Bettdecke ist riesig, es sind immer zwei Kopfkissen bezogen. Aber alles meins – ist klar, oder?!

Und wo wir schon mal im Bett sind: Vieles muss man als Single allein machen, also eigentlich alles. Für den Orgasmus sorge ich meist auch selbst. Mein Vibrator Amorino (hab nicht ich so genannt) ist so treffsicher und zuverlässig, da muss erstmal ein Mann hinkommen.

Zum Nachtisch gibt’s heute übrigens Eis. Direkt aus der Packung. Nur mit einem Löffel. Einem Esslöffel! Kontrollverlust – here we go!