Wenn es zu jedem Topf einen passenden Deckel gibt, dann muss die Singlefrau langsam einsehen, dass sie wohl eine ziemliche Macke hat; denn derzeit stehen nur komische Kerle auf sie.

Die Badehose von Christian war an sich schon das Ausscheidungskriterium. Aber weil ich nach dem abkühlenden Schwimmen im Freibad richtig Hunger hatte, willigte ich ein, als er vorschlug, dass wir noch was gemeinsam essen gehen. Außerdem wollte ich beim ersten Date seit langem nicht schon nach zwei Stunden aufgeben. Ich schlug einen Thailänder vor, er mag kein asiatisches Essen, grundsätzlich nicht. Für Knödel und Braten war es mir aber definitiv zu warm. Wir einigten uns auf ein Stadtteilfest – genug Auswahl, für jeden etwas dabei.

Als wir dann bei Wurst und Bier im Schatten der Häuser hockten, wurde mir klar, dass meine Geduld schlichtweg Zeitverschwendung war. Da sprang kein Funke, da hüpfte kein Herz. Zumindest bei mir nicht. Ich wollte noch nicht mal mehr knutschen, so wie noch am vergangenen Wochenende. Aber das zählt nicht, da war ich betrunken.

Erste Dates gab es in den vergangenen Wochen und Monate einige. Aber die Quantität sagt nunmal so gar nichts über die Qualität aus … Ein Bekannter vertrat mal die These, dass man es einfach auf eine beträchtliche Anzahl von Dates bringen muss, um jemanden zu finden, den man häufiger treffen möchte oder gar jeden Tag. Er empfahl drei bis vier Dates pro Woche – mit unterschiedlichen Männern. Das schaffe ich irgendwie nicht. Erstens habe ich einen Job, zweitens ein Leben, drittens bin nicht wahllos (andere sagen „zu anspruchsvoll“).


ER wohnt noch bei seiner Mutter

Bei Christian stieg ich dann endgültig aus, als er mir eröffnete, dass er noch bei seiner Mutter wohnte. Nicht in der gleichen Wohnung, immerhin. Aber im selben Haus. Und so, wie er es erzählte, war klar, dass WÜRDE ich mit zu ihm gehen, KÄME Muttern am Sonntagmorgen mit Frühstück herbeigeeilt. Froh, dass ihr Junge endlich mal eine mit nach Hause gebracht hatte. Ich wurde plötzlich sehr müde und musste ja noch dringend den Kater des letzten Abends verdauen. Allein. Christian schrieb noch einige Male, schickte Bilder aus dem schönen Garten, in dem wir Kaffee trinken könnten, vermutlich mit Butterkuchen von Mutti.
Ich hatte leider keine Zeit mehr für ihn.

Dennis lernte ich beim Sport kennen, kurz nachdem ich umgezogen war. Sportvereine sind ja immer gut, um schnell neue Leute kennen zu lernen. Mit Dennis ging es mir dann aber doch ein wenig zu schnell beziehungsweise zu direkt. Durch die Vereins-Whatsapp-Gruppe hatte er meine Nummer, schrieb mich eines Abends an. Und anstatt mal ganz vorsichtig nach einer gemeinsamen Trainingsrunde oder aber nach einem Kaltgetränk zu fragen, fiel er gleich mit der Tür ins Haus: „Ich finde dich sympathisch, magst du mal abends vorbeikommen?“ Er nannte es Sofaabend. Ich nannte es dreist und uncharmant.

„Wieso? Ich finde dich nett! Was soll ich da um den heißen Brei rumreden?“
„Ich finde viele Männer nett, aber gehe mit den wenigsten davon ins Bett.“
Dennis blieb unbeirrt, startete am nächsten Tag den zweiten Versuch. Verstummte dann, tauchte erst nach Wochen wieder beim Training auf. Ich registrierte es, dachte mir aber nur „selber schuld“, hörte dann, dass er eigentlich eine Freundin habe, aber dass das wohl eine sehr komplizierte On-Off-Beziehung sei. Na, schönen Dank auch.

„Ich bin verhaltensgestört“
Irgendwann im Sommer startete Dennis die zweite Runde, ebenso direkt und ebenso erfolgreich. Er kapitulierte schnell und wart fortan nicht mehr beim Training gesehen. Er blockierte mich zunächst bei Whatsapp, nur um mich dann wieder in den (vermuteten) Kreis der Fälligen aufzunehmen, als er offenkundig Not am Mann hatte. Diesmal ignorierte ich ihn. Über das Stadium „ich fühle mich von Aufmerksamkeit geschmeichelt“ war ich längst hinaus.

Am nächsten Tag schrieb er 15 Whatsapps, im Minutentakt. Ich saß in einem Meeting, schielte aufs Display und las eine Krankengeschichte, die man keiner Fremden erzählt, schon gar nicht per Whatsapp. Ich hätte wohl bemerkt, dass sein Kommunikationsverhalten speziell sei. Das war eine ziemlich euphemistische Zustandsbeschreibung. „Frauen sind für mich Ablenkung, wenn ich mit mir selbst nicht klar komme.“ Dennis tat mir leid, aber dafür war ich nun wirklich die falsche Ansprechpartnerin. In Absprache mit seinem Therapeuten lösche er nun meine Nummer. Ich wünschte ihm alles Gute.

Vor drei Tagen erhielt ich eine Freundschaftsanfrage auf Facebook von ihm. Ich habe sie – ohne Rücksprache mit seinem Therapeuten – gelöscht.

Der Stalker mit dem Hut
Die wohl verrückteste Geschichte der letzten Monate war der Mann mit Hut, den ich in der Silvesternacht kennenlernte und der mir den Jahreseinstieg versüßte. Er war viel jünger, hatte spinnerte Ideen im Kopf, faltete mir Blumen, Vögel und Hasen aus Papier, stand mit Luftballons vor der Tür und brachte Wein zum Essen mit. Viele Gründe, um dahinzuschmelzen. Als ich ihm ein T-Shirt schenkte, konnte er es nicht annehmen, obwohl ich ihm versicherte, dass es nicht teuer war. Ich wusste, dass er die These vertrat, dass Besitz lähmt. Aber ein fünftes T-Shirt im Kleiderschrank empfand ich jetzt nicht als allzu großen Ballast. Er gestand, dass er ein Trauma habe, weil seine Mutter ihn stets angezogen habe, offenbar in Klamotten, für die ihn seine Mitschüler gehänselt haben. Der arme Junge, ernsthaft. Aber auch hier verweigerte ich mich als Therapeutin und beendete die Affäre. Er blieb hartnäckig, stand mehrfach vor meiner Tür, legte Geschenke in den Briefkasten und passte mich auf dem Weg zur Arbeit ab – um 6.30 Uhr.
Auch da blieb nur die harte Tour – nicht mehr antworten.

„Hundili und ich vermissen dich“
Ebenso bei Jochen, der nach einer gemeinsamen Fahrradtour sich mehr versprach. Er war ungern Single, das merkte man. Er wollte dringend eine Frau kennenlernen und jemanden haben, damit ihm nicht mehr so langweilig ist. Ich bekam Whatsapps und Bilder aus Lebenssituationen, die er teilen wollte. Um nicht ganz so einsam zu sein, hatte er sich schon vor längerer Zeit einen Hund angeschafft. Aber der antwortete wohl nur sehr unzuverlässig. Der absolute Knaller war ein Selfie mit dem Tier, das er stets Hundili nannte, ausgedrückt durch ein Hund-Emoticon mit einem „li“ angehängt.

Seine letzte Freundin war gestorben, nach den Umständen habe ich nie gefragt. Ich habe mich nie getraut, weil ich nicht etwas anstoßen wollte, was ich womöglich nicht mehr hätte aufhalten können. Er wäre vermutlich glücklich gewesen, darüber zu sprechen. Aber ich habe noch immer keine therapeutische Ausbildung, obwohl sie sich langsam lohnen würde.
Böse konnte ich auch Jochen nicht sein, aber geantwortet habe ich ihm irgendwann auch nicht mehr.

Was ist denn nur mit mir los? Warum sind die Männer, die mit mir ausgehen wollen, eigentlich so neben der Spur? Es kommt immer auf meine jeweilige Laune und Verfassung an. An guten Tagen muss ich lachen und mich halb im Scherz, halb ernsthaft fragen, was ich denn für eine Macke habe, damit solche Männer auf mich stehen. Keine Frage, ich habe auch den ein oder anderen Hau, aber ich belästige damit keine fremden Menschen, hoffe ich zumindest. An schlechten Tagen werde ich wütend und ich frag mich, wie zur Hölle diese Männer darauf kommen können, dass das auch nur irgendwas mit uns werden könnte.